Der ignorierte Krieg

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11-08-20 03:13:00,

Der Beginn des offiziellen Kriegs im Jemen fällt mit dem Beginn des Arabischen Frühlings im Jahre 2011 zusammen, als die Machtkämpfe im Land entfachten und neue Machteinflüsse den Jemen destabilisierten. Jemens geopolitische Lage ist von großer Bedeutung, und es dauerte somit nicht lange, bis die Interessengruppen in dieser Region die Unruhen und internen Kämpfe ausnutzten, um dort ihre eigenen politischen Ziele zu verfolgen. Die Lage im ärmsten der arabischen Länder war schon immerzu heikel. Die schiitische Minderheit der Huthis, die sunnitische saudi-freundliche Regierung Jemens und die jahrelange Spaltung des Landes in Nord und Süd gaben immer wieder Anlass für eine schwierige Lage — umso mehr, da seit Kriegsbeginn gewisse Parteien von externen Interessengruppen unterstützt, bewaffnet und beeinflusst werden.

Festzustellen ist, dass die Meerenge an der südwestlichen Küste Jemens Bab al-Mandab (deutsch: Das Tor der Tränen), die lediglich 27 Kilometer breit ist, geopolitisch schon immer sehr wichtig war. Sie verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden, trennt die Landmasse der Arabischen Halbinsel von der Afrikas und ist eines der Nadelöhre des europäischen Erdölmarktes (1). Solch eine strategisch wichtige Lage möchten die sunnitischen Akteure Saudi-Arabiens und ihre Verbündeten keineswegs in den Händen der Huthis sehen.

Jemen war stets von Kriegen, Intrigen und verschiedenen Interessengruppen beeinflusst worden, beispielsweise im 20. Jahrhundert von den Briten und den Sowjets (2).

Bei näherer Betrachtung der Geschichte des Jemens erkennt man schnell, wie kompliziert die Lage von Nord- und Süd Jemen immerzu war und die Spannungen nicht nur auf den Arabischen Frühling zurückzuführen sind. Der meist zitierte Satz des früheren Präsidenten Ali Abdullah Saleh: Wer Jemen regieren wolle, müsse über den Köpfen der Schlangen tanzen, verdeutlicht, wie kompliziert die Machtverteilung gewesen sein muss (3).

Die internen Intrigen lassen sich anhand Präsident Salehs politischem Kurs sehr schön aufzeigen. Saleh war von 1978 bis 2017 Präsident der Jemenitischen Arabischen Republik (Nordjemen) und von 1990 bis 2012 Präsident des geeinten Jemens, der Jemenitischen Republik. Gleich zu Beginn des Arabischen Frühlings verbündete er sich mit seinen früheren Feinden, den Huthi-Kämpfern, als seine eigene Macht zu schwinden begann. Die Huthi waren es dann auch, die Saleh 2017 töteten, als er die Allianz kündigte, um sich stattdessen wieder Saudi-Arabien politisch anzunähern (4).

Die Huthi spielten jedoch nicht nur in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle. Im Westen liest man von einem Bürgerkrieg im Jemen zwischen den Huthi-Rebellen und der jemenitischen Regierung.

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