Ich bin dann mal weg: Ein König auf der Flucht

ich-bin-dann-mal-weg:-ein-konig-auf-der-flucht

11-08-20 08:13:00,

In einem Kommuniqué gab das spanische Königshaus die „Entscheidung von Juan Carlos I.“ bekannt, das Land zu verlassen, „wegen der öffentlichen Auswirkungen, die bestimmte Ereignisse in meinem Privatleben in der Vergangenheit hatten“, wie der emeritierte König dies in einem angeblichen Brief an seinen Sohn Felipe VI. zum Ausdruck gebracht haben soll. Diese „vergangenen Ereignisse in meinem Privatleben“ beziehen sich auf Dutzende von Korruptionsskandalen und sonstige Eskapaden von Juan Carlos, die nach und nach ans Licht gekommen sind. Juan Carlos verließ das Land allein, ohne seine Frau Sofia und ohne sich von ihr zu verabschieden. Denn von Sofia, die seine zahlreichen Korruptionsaffären und sexuellen Eskapaden stoisch ertragen musste, hatte er sich de facto schon seit vielen Jahren verabschiedet. Von Marco Wenzel.

Die Entscheidung, das Land zu verlassen, dürfte wohl kaum auf die alleinige Initiative von Juan Carlos zurückzuführen sein. Es ist vielmehr ein Schachzug des Königspalastes, um im Einvernehmen mit der Regierung das Erscheinungsbild von Felipe VI. von dem seines Vaters Juan Carlos I. zu trennen und damit die spanische Monarchie zu retten, deren Legitimation durch die endlosen Skandale seit 2012 von der spanischen Bevölkerung zunehmend infrage gestellt wird. Seit Juni dieses Jahres ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen König. Jetzt hat er die Reißleine gezogen und sich ins Ausland abgesetzt. Zwar ist er noch nicht offiziell angeklagt, geschweige denn verurteilt, er ist also immer noch ein freier Mann. Das aber könnte sich bald ändern, wenn er vor Gericht schuldig gesprochen wird.

Spanien unter Franco

Am 14. April 1931 wurde in Spanien die Zweite Republik ausgerufen. Die Bevölkerung hatte in einem Referendum gegen die Monarchie gestimmt und setzte große Hoffnungen auf die Demokratie und die neue Republik. Alfons XIII., der damalige Monarch, verließ daraufhin Spanien, ohne allerdings auf seinen Thronanspruch zu verzichten. Die linksrepublikanischen Parteien und die Sozialisten (PSOE) bildeten daraufhin ein Regierungsbündnis. Der Schriftsteller Manuel Azaña wurde Ministerpräsident.

Im Juli 1936 putschten monarchistische und faschistische Militärs unter der Führung von Francisco Franco mit Unterstützung des faschistischen Italiens und des nationalsozialistischen Deutschen Reichs gegen die demokratisch gewählte republikanische Regierung Spaniens. Es folgte der spanische Bürgerkrieg, den Franco mit Hilfe der deutschen Luftwaffe und der Legion Condor gegen die einheimischen Partisanen und die internationalen Brigaden gewann. Der Widerstand gegen Franco war am stärksten und energischsten in Katalonien.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: