USA: Covid-Infizierte sterben in Krankenhäusern und Pflegeheimen allein

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11-08-20 07:49:00,

Bild: Ferdinand Hodler: Valentine Godé-Darel im Krankenbett. Kunstmuseum Solothurn, gemeinfrei.

Die Schutzmaßnahmen haben den Trend umgekehrt, dass immer mehr Menschen Zuhause sterben. In Krisenzeiten fehlt kulturell und individuell eine Kultur des Todes

Man lebt nicht nur in der Regel anders in den Zeiten der Coronavirus-Pandemie, indem sich das Zentrum des sozialen Lebens nach außen verschoben hat, man stirbt auch anders. Auch hier herrscht soziale Distanzierung, was bei Kranken oft heißt, dass sie in Isolation leben und auch starben. Nach einer Untersuchung von Wissenschaftlern der Northwestern University erleben die mit Covid-19 Infizierten, die Krankenhäusern sterben, das Schicksal von Aussätzigen. Sie sterben oft alleine – mit einer 12 Mal größeren Wahrscheinlichkeit als Patienten mit irgendeiner Erkrankung 2018.

In der Studie, die Anfang Juli im Journal of the American Geriatrics Society erschienen ist, haben die Wissenschaftler erstmals untersucht, wo die mit Covid-19-Infizierten in den USA sterben. Das sei ein wichtiges Indiz für die Qualität der Pflege und der Erfahrung des Patienten und seiner Familie.

Wegen der Beschränkungen im Zuge der Pandemie-Bekämpfungsmaßnahmen durften viele Angehörige auch nicht Sterbende in Krankenhäuser besuchen und von ihnen Abschied nehmen. Das betraf einen großen Teil der Todesfälle, allerdings mit großen Unterschieden zwischen den Bundesstaaten.

Zwischen 1. Februar und 23. Mai starben nach den CDC an oder mit Covid-19 81.372 Menschen (81 Prozent im Alter über 65 Jahren). Davon in Krankenhäusern fast 69 Prozent und in Pflegeheimen fast 23 Prozent. Zuhause nur 5,2 Prozent. Im Vergleich starben an allen Krankheiten im selben Zeitraum 2018 fast 36 Prozent in Krankenhäusern, 19 Prozent in Pflegeheimen und 31 Prozent Zuhause.

Der Unterschied ist immens. Und er betrifft nicht nur die Menschen, die in Krankenhäusern isoliert alleine sterben, sondern auch die Angehörigen, die sich nicht vom Sterbenden verabschieden können, wenn sie dies wollen. Mit Covid-19 ist der bisher vorherrschende Trend, dass mehr Menschen Zuhause sterben können, in sein Gegenteil umgekippt.

Nun könnte man meinen, dass die Wissenschaftler vor allem empfehlen würden, wie in Krankenhäusern und Pflegeheimen Angehörige ihre Sterbenden begleiten oder zumindest noch einmal sehen können. Gefordert wird zwar, dass Krankenhäuser und Pflegeheime entsprechende Schutzkleidung für das Personal und Testkapazitten für die Besucher vorhalten sollten, wenn sie wieder öffnen, um die Patienten zu schützen.

Aber man ist ja modern,

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