Angst machen mir die Ja-Sager und Mitläufer

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13-08-20 07:37:00,

Ich kann die ganzen Meldungen zu Corona langsam nicht mehr hören. Von Tag zu Tag nimmt die Debatte groteskere Züge an und von Tag zu Tag werden die Gräben zwischen den Lagern tiefer. In Leitartikeln und Kommentaren in den sozialen Netzwerken wird bereits den „strengen Regeln des Lockdowns“ nachgetrauert. Viele Mitmenschen haben Angst. Angst vor dem Virus und neuerdings auch Angst vor den Menschen, die sich der hysterischen Stimmung nicht unterwerfen und versuchen, so viel „Normalität“ wie möglich zu bewahren. Menschen, die „trotz Corona“ mit Freunden ein Bier trinken oder an heißen Tagen in Badeseen ohne Maske und ohne Mindestabstand Abkühlung suchen. Wer gar gegen die Maßnahmen auf die Straße geht, gilt als „Covidiot“, als Wirrkopf und Gefährder des gesellschaftlichen Konsenses. Es ist kein Zeichen einer lebendigen Demokratie, wenn man am liebsten jeden Widerspruch gegen ein „gesundes Volksempfinden“ mit strengeren Maßnahmen, Ausgrenzung und Sanktionierung ausmerzen will. Das ist es, was mir Angst macht, und nicht die Bürger, die aus welchen Gründen auch immer, auf die Straße gehen, oder skurrile Personen, die von den Medien als deren „Vordenker“ hochgeschrieben werden. Ein sehr subjektiver Kommentar von Jens Berger.

Solidarität ist keine Einbahnstraße

Fragt man die Anhänger strenger Regeln und Maßnahmen nach ihrem Motiv, so hört man oft, es ginge um Solidarität. Das ist kein schlechter Punkt, sind es doch in der Tat fast ausschließlich Angehörige bestimmter Risikogruppen, für die Covid-19 eine ernste Gefahr für Leib und Leben darstellt. Aber wie sieht es eigentlich mit der Solidarität gegenüber unseren Kindern aus, denen monatelang der Besuch von Kitas und Schulen verwehrt und nun nur unter Einhaltung einer im Unterricht absurden Maskenpflicht erlaubt wird? Wie steht es mit der Solidarität gegenüber den oft ökonomisch unterprivilegierten Alleinerziehenden? Was ist mit den Studenten? Was mit den Millionen Menschen, die in den Bereichen Kunst, Kultur und Gastronomie tätig sind? Haben junge Menschen nicht auch ein Recht auf Ausgelassenheit, Tanz und Spaß? Kann man die Solidarität gegenüber der einen Gruppe mit der Solidarität einer anderen Gruppe verrechnen?

Man kann nicht nur, man muss. Die Solidarität mit den Einen ist bei der Corona-Debatte auch immer die Unsolidarität mit den Anderen. Hier einen gangbaren Mittelweg zu finden, ist schwer und wer nur den Lockdown, aber nicht die Lockerung als solidarische Maßnahme sieht, verschließt sich der Kompromissfindung.

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