Der Fachkräfteklau

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13-08-20 08:31:00,

Im Jahr 2015 machte die deutsche Bundeskanzlerin Werbung in deutschen Medien, um ausländische Fachkräfte, insbesondere aus den Entwicklungsländern, nach Deutschland zu locken. Man fragt sich wirklich, was in den Köpfen derjenigen vorging, die ein solches Programm entwickelt haben.

Die Einladung erfolgte nicht durch die EU-Gremien an arbeitslose Spanier, Italiener oder Menschen anderer Nationalitäten innerhalb der EU, die sowieso ohne Probleme in Deutschland arbeiten könnten. Nein, sie erfolgte an Menschen in jenen Ländern, die selbst händeringend diese Fachkräfte für den Aufbau der Wirtschaft benötigen.

Brain-Drain – das Aussaugen der Intelligenz, das „Beutemachen“ unter den Fachkräften, ist ein Verbrechen an den ärmeren Ländern, die ihr Fachkräftereservoir, das ohnehin ungleich begrenzter als das der Industrieländer ist und das sie selbst herangezogen, ausgebildet und qualifiziert haben, schwinden sehen, weil Deutschland davon profitieren will.

Das ist nichts anderes als Kolonialismus 2.0. Zuerst stahlen die Kolonialländer die Muskelkraft in Form von Sklaven, dann die Bodenschätze, schließlich beziehen sie noch heute „Kolonialsteuern“, wie Frankreich (1). Und nun ist die Beute das Fachpersonal, ausgebildete Menschen, die in Deutschland zu Billigstlöhnen einheimische Fachkräfte ersetzen, die ja angeblich nicht mehr ausreichend vorhanden sind. Man sollte hinzufügen, nicht zu den gewünschten Löhnen.

Vera Lengsfeld bringt Brain Drain an einem Beispiel auf den Punkt:

„Der mexikanische Entwicklungsökonom und UNESCO-Koordinator für Migration und Entwicklung, Raul Delgado Wise, nimmt bezüglich der Rolle von Migration kein Blatt vor den Mund: ‚Wenn man sich die Daten ansieht, ist Migration eine Subventionierung des Nordens durch den Süden.‘ Im Gesundheitssektor wird dies besonders deutlich. 38% des britischen und 10% des deutschen medizinischen Personals hat seine Ausbildung in strukturschwachen Ländern Ostmitteleuropas bekommen. Diese tragen die Kosten, während das Zentrum der EU davon profitiert. Der UN-Migrationspakt hat sich zur Aufgabe gestellt, diese Schieflage zu verwalten und damit festzuzurren“ (2).

Während der Erfolg der Anwerbung von Fachkräften im außereuropäischen Ausland eher mäßig war, zeigt nun eine Studie des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) (3), dass Deutschland größeren Erfolg hatte, in ärmeren europäischen Ländern Fachkräfte abzuziehen. Obwohl zum Beispiel in Polen die Arzt- und Pflegekräftedichte pro 100.000 Bewohner nur etwa halb so groß ist wie in Deutschland, nutzte Deutschland das Einkommensgefälle in Europa, um von dort medizinisches Fachpersonal abzuwerben. Und fast jeder dürfte inzwischen, zumindest vom Hörensagen, einen Haushalt mit alten und pflegebedürftigen Menschen kennen,

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