Das Ende der Kindheit

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14-08-20 03:27:00,

Die Schulen in Deutschland rüsten sich jetzt für Corona. Sie werden nicht etwa digitalisiert, räumlich erweitert, die Klassen geschrumpft: Nein, die Schülerinnen und Schüler selbst müssen angepasst werden. Sie müssen begreifen, dass sie nicht zur Schule gehen, um Freunde zu sehen — sie gehen zum Lernen dahin. Nur zum Lernen. So legt es beispielsweise eine Belehrung der thüringischen Regelschule Stotternheim dar, die in den sozialen Netzwerken zirkuliert. Zwanzig Punkte regulieren den Schulalltag — und das auf eine ganz und gar nicht kindgerechte Art und Weise.

Aber nicht nur das. Man schanzt den Kindern Verantwortungen zu, die sie nicht zu tragen haben. So wird den Kindern eingebläut: „Ich beachte, dass Krankmeldungen bis 8 Uhr durch meine Eltern erfolgen müssen.“ Die Erziehungsberechtigten werden also zum Anhängsel des Kindes; das Kind in einer Dauerschleife der Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit festgesetzt, für das es noch nicht geistig gerüstet und emotional gefestigt ist.

Diesen Mangel nennt man gemeinhin Kindheit. Und die scheint als Modell abzudanken. So alt ist das Konzept noch gar nicht. Vor 120 Jahren waren Kinder oft nicht mehr als kleine Erwachsene, Wesen, die arbeiten und ihre Familie versorgen konnten — und mussten. Dass die Jahre als Kind eine schöne, am besten eine harmonische und geborgene Zeit sein sollten, manifestierte sich erst im Laufe des 20. Jahrhunderts. Bis neulich galt dieses Konzept als unumstößlich. Nun wird Druck ausgeübt, Verweise für Maskenvergessenheit angedroht, in Berlin sollen gar Bußgelder an Schüler ausgeteilt werden.

Die Kindheit wird stark zurechtgestutzt, Kinder werden in ein Korsett der Vernunft und Rationalität gepresst, für das sie noch gar nicht bereit sind. Überhaupt scheint die Aussetzung von so „unordentlichen Gefühlen“ wie Liebe oder Zuneigung als jetzt notwendige Härte gegen sich und andere zu gelten. Die Gesundheitsämter spielen sich in den vergangenen Wochen innerhalb von Familienverbänden als Sachwalter dieser neuen Härte auf.

Es wird berichtet, dass sie Eltern als Vollzugskräfte gegen ihre eigenen Kinder rekrutieren wollen. Sie fordern dazu auf, Kinder unter Covid-19-Verdacht in der elterlichen Wohnung zu separieren, deren Quarantäne auf das Kinderzimmer zu beschränken.

Auch die Mahlzeiten sollten getrennt eingenommen werden. Mehrfach sollen die Gesundheitsämter ihre Kompetenzen überschritten und Kindesentzug in Aussicht gestellt haben, wenn die Eltern diesen Aufforderungen nicht Folge leisten. Personal für ein etwaiges Vorgehen wird bereits gesucht.

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