Gefährlicher Protest

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15-08-20 04:55:00,

„Friedlich, bunt und lustig“ — so hat Kerstin Wolf aus Berlin die Demonstration am 1. August in Berlin erlebt, über die weiterhin gestritten wird. Die Berliner Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilkunde gehörte zu den vielen tausenden Menschen aus der gesamten Bundesrepublik, die an der seit Jahrzehnten größten regierungskritischen Demonstration in der Hauptstadt teilnahmen. Unter ihnen seien nur einige wenige erkennbar Rechte gewesen, so einige „Reichsbürger“, berichtete die Medizinerin im Gespräch.

Sie sei etwa viereinhalb Stunden bei der Demonstration mitgelaufen, bei der Gruppe der „Ärzte für individuelle Impfentscheidung“. Die Ärztin ist nach ihren Worten gegen Zwangsimpfungen, „egal ob Masern oder Corona“. Nach den viereinhalb Stunden und wegen des heißen Sommerwetters sei sie nach Hause gegangen. Für die Abschlusskundgebung auf der Straße des 17. Juni habe ihre Kraft dann leider nicht mehr gereicht.

Wolf meint, dass nach ihrem Eindruck insgesamt deutlich mehr als die von der Berliner Polizei offiziell verkündeten 20.000 Menschen an der Demo und an der Kundgebung zum Schluss teilgenommen haben. Dazu hatte die Stuttgarter Initiative „Querdenken 711“ unter dem Motto „Tag der Freiheit — das Ende der Pandemie“ in die Hauptstadt eingeladen. Dem waren so viele Menschen gefolgt, dass die Veranstalter am Ende des Tages von 1,3 Millionen Teilnehmenden sprachen. Gerechnet hatten sie mit etwa 500.000, wie es vorher hieß.

Darüber, wie viele tatsächlich dabei waren und wer da die Zahlen hoch- oder runtergerechnet hat, begann gleich nach der von der Polizei gegen 16.45 Uhr abgebrochenen Kundgebung zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule eine Debatte. Dabei versuchen Sympathisanten und Gegner mit verschiedensten Methoden und Modellen nachzuweisen, dass entweder mindestens einige hunderttausend Menschen teilnahmen oder nur die polizeilich gemeldeten 20.000.

An der Debatte kann und will ich mich nicht beteiligen, nicht nur, weil ich leider selbst nicht dabei sein konnte. Nur so viel dazu: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass auch der eigene Augenschein trügen kann, wenn es um die Frage geht, wie viele Menschen an solch einem Ereignis teilgenommen haben. Wie schwierig es ist, die genauen Zahlen zu ermitteln, hat Dieter Rucht vom Berliner Institut für Protest- und Bewegungsforschung (IPB) 2016 im Zusammenhang mit den damaligen bundesweiten Protesten gegen das Freihandelsabkommen TTIP beschrieben.

Die Abweichungen der Teilnehmerzahlen „wären nur dadurch aufzulösen, dass die jeweiligen Schätz- und Zählverfahren offengelegt“ oder „in Gänze per Video dokumentiert und damit nachprüfbar werden“,

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