Um die Welt? Nicht um jeden Preis

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17-08-20 08:34:00,

Trockenheit, Waldschäden und Waldbrände, dann wieder Platzregen mit Hagel und Sturmböen – auch die Coronakrise kann nicht verdecken, dass sich unser Klima immer schneller verändert. Um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen, müsste die Einsparung an CO2-Emissionen jedes Jahr so groß sein wie durch den Shutdown, sagt der Diplom-Meteorologe Sven Plöger. Dazu müssen wir die Gier, die im jetzigen System steckt, in den Umbau der Wirtschaft lenken. In seinem aktuellen Buch „Zieht euch warm an, es wird heiß!“ nennt Plöger zahlreiche Maßnahmen, die von Seiten der Politik ergriffen werden sollten – unter anderem im Bereich Mobilität. Ein Auszug.

Fragt man sich, was wir von der Politik fordern müssten, um eine klimaverträgliche, bezahlbare und zuverlässige Mobilität für alle zu entwickeln, weiß man fast nicht, wo man anfangen soll – es hängt so vieles schief: Subventionen für Diesel und Kerosin, die Pendlerpauschale, ein nicht spürbarer CO2-Preis oder das völlige Fehlen einer übergeordneten Strategie jenseits der »innovativen Idee«, Straßen und Flughäfen immer weiter auszubauen.

Im Einzelnen: Wir brauchen eine progressiv anziehende Bepreisung klimaschädlicher Mobilität. Die zusätzlichen Einnahmen müssen zu einem Teil direkt an klimafreundliche Nutzer zurückgegeben werden, etwa in Form eines persönlichen Klimabonus nach Schweizer Modell. Für eine Radverkehrsoffensive müssen wir die Hemmnisse aus der Straßenverkehrsordnung tilgen, um einen gleichberechtigten Verkehrsmix aller Fortbewegungsmittel zu erzielen. Rund 69 Prozent der Teilnehmer einer Befragung in den Jahren 2018 und 2019 befürworteten mehr gesonderte Fahrstreifen für Busse und Bahnen, und die Hälfte ist dafür, Fahrradwege zulasten von Parkplätzen auszubauen.

Gehen wir auf die Autobahn: Verlangen Sie, wie übrigens die Mehrheit der Deutschen, ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde – sogar, wenn Sie es selbst etwas einschränken sollte. Sehen Sie es wie der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte, der sogar Tempo 100 durchsetzte und es in seiner typisch kernigen Art auf den Punkt brachte: »Es ist zwar eine beschissene Maßnahme, aber sie ist unumgänglich.« Man kann das Richtige tun, auch wenn es einem emotional nicht behagt.

Ob Benzin oder Strom – die Physik lässt sich nicht betrügen. Also brauchen wir auch für E-Autos Gewichtsbeschränkungen, damit kostbarer grüner Strom nicht sinnlos in Protzmobilen verheizt wird. Die Förderung für die ohnehin kaum klimawirksamen E-Mobile muss nach Verbrauch gestaffelt werden: Schwere SUVs mit riesigen Batterien genauso zu fördern wie effiziente Kleinwagen, ist einfach Unsinn.

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