Begegnung statt Spaltung

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18-08-20 01:16:00,

Was mich derzeit viel mehr als irgendwelche Viren oder Maßnahmen beunruhigt, ist der tiefe Graben, der sich gerade durch unsere Bevölkerung zieht — der Graben zwischen jenen Menschen, die die Corona-Maßnahmen befürworten und befolgen, und jenen, die diese Maßnahmen ablehnen beziehungsweise infrage stellen. In dieser Spaltung zwischen Maßnahmenbefürwortern und -gegnern sehe ich eine große Gefahr für unsere Gesellschaft. Spaltung führt zu Schwächung und Machtlosigkeit — genau das, was wir in einer Zeit zunehmender Existenzvernichtungen, Arbeitslosigkeit und Armut ganz und gar nicht brauchen.

Genauso wenig brauchen wir gegenseitige Beschimpfungen — weder sind Maßnahmenbefürworter Schlafschafe oder dergleichen, noch sollten Maßnahmenskeptiker als Verschwörungsmystiker, Antisemiten oder Rassisten bezeichnet werden.

Was wir als Gesellschaft brauchen, ist Verbindung statt Trennung, Miteinander statt Gegeneinander, Gemeinschaft statt Kampf.

Wie kommen wir zu Verbindung, zu Miteinander und Gemeinschaft? Welche Voraussetzungen sind dafür notwendig? Wie können wir den tiefen Graben zwischen Maßnahmen-Befürwortern und -Gegnern überwinden? Hier hilft uns vielleicht die Gewaltfreie Kommunikation nach Marschall B. Rosenberg weiter.

In meiner Ausbildung in Gewaltfreier Kommunikation habe ich gelernt, dass es in Konflikten stets um Bedürfnisse geht — nicht erfüllte Bedürfnisse, denn sonst gäbe es ja keinen Konflikt.

Ziel der Gewaltfreien Kommunikation ist es nun, die Bedürfnisse beider Konfliktparteien zu eruieren, um schließlich zu einem für beide Seiten akzeptablen … nein, ein Kompromiss ist es eigentlich nicht: es soll im Idealfall zu einer Lösung kommen, bei der die Bedürfnisse aller „Streitenden“ respektiert und erfüllt werden.

Dabei ist es wichtig, dass es keine Hierarchie gibt — kein „ich weiß das besser als du“, kein „meine Bedürfnisse sind wichtiger als deine“ und schon gar kein „ich sitze am längeren Hebel, also wird letztendlich doch gemacht, was ich will“.

Ich würde die Voraussetzungen für eine gesunde, gelungene Kommunikation noch um einen Punkt ergänzen: Beide Konfliktparteien müssen über dasselbe Wissen zum strittigen Thema verfügen. Das ist bei der Frage, ob die Zahnpastatube offen herumliegen darf oder nicht, eher irrelevant — bei politischen oder gesellschaftlichen Fragen und Konflikten jedoch wesentlich und unverzichtbar. Geht es zum Beispiel um ein Tempolimit auf der Autobahn, sind neben den Bedürfnissen der Konfliktparteien — Freiheit und Selbstbestimmung auf der einen, Rücksichtnahme gegenüber dem Mitmenschen und der Umwelt auf der anderen Seite — auch Fakten wie Unfallstatistiken, CO2-Ausstoß und so weiter wichtig.

Wir sollten also unsere eigenen Bedürfnisse,

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