Schwedische Wahrheiten

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18-08-20 01:17:00,

Zu Schweden gibt es inzwischen einige Klischees, die zu Routinen festgefahren sind und die offenbar niemand im Medienbetrieb durchbrechen möchte. Mit der Realität im Lande hat das stereotype Zerrbild nichts zu tun, das in beiden Lagern des Corona-Streits in Deutschland zwar verschieden bewertet wird, aber auf weitgehend denselben Annahmen über Faktengrundlagen basiert.

Zuerst einmal muss die Situation in Schweden detailliert dargestellt werden, weil sogenannten „Maßnahmen gegen Corona in Deutschland und den Lockdown-Ländern eine so zentrale Bedeutung beigemessen wird, und ein gängiges Klischee lautet: „Schweden tut nichts gegen Corona.“

Schweden hat am 1. April 2020 einen Katalog von Verfügungen und Empfehlungen erlassen und im Laufe des Monats nachjustiert, die unter anderem beinhalten:

  1. Schließung von Oberschulen, Hochschulen und den meisten Bibliotheken,
  2. Schließen von Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen,
  3. Untersagen von Großveranstaltungen über 50 Personen,
  4. Höchstzahl von Besuchern in der Gastronomie,
  5. Absperrung des Einstiegsbereichs in Bussen,
  6. Empfehlung eines Mindestabstandes von 2 Metern im öffentlichen Leben,
  7. Aufstellung von Erläuterungen zum Hygieneverhalten,
  8. Empfehlung, Arbeit in das Homeoffice zu verlagern,
  9. Kontaktreduktion in Altenpflegeheimen.

Als mögliches Risiko stufte Folkhälsomyndigheten (zu deutsch etwa Oberste Volksgesundheitsbehörde) Covid-19 bereits im Februar ein, so dass sie am 26. Februar die Öffentlichkeit erstmals über eine Maßnahmenplanung informierte und Verhaltensempfehlungen ausgab. Parallel ermittelten die schwedischen Behörden die zur Verfügung stehenden Kapazitäten im Gesundheitswesen.

Zu einem Zeitpunkt, als das Robert Koch-Institut durch seine Leitung „keine bis geringe Gefahr“ durch Corona kommunizierte, dann aber von einem Tag auf den anderen in Aktionismus verfiel.

Die Federführung hatte von Anfang an der 64-jährige Staatsepidemiologe Anders Tegnell, Abteilungsleiter für Gesundheitsdaten. Zum festen Mitarbeiterstamm in Sachen Corona gehören neben Tegnell sein Stellvertreter Anders Wallensten und sein pensionierter Vorgänger Johan Giesecke. Alle drei sind Fachärzte für Epidemiologie, Giesecke ist zudem Professor an der medizinischen Hochschule Karolinska Institutet und war in Gremien des Europäischen Zentrums für Seuchenkontrolle (ECDC) und im Steuerungsrat für Infektionskrankheiten der WHO. Benachbarte Behörden arbeiten so eng mit der Volksgesundheitsbehörde zusammen, dass sie stets auf einer gemeinsamen Pressekonferenz informieren.

Am 1. April wurden Verhaltensempfehlungen und Schließungen, abgestimmt mit der Regierung, in einem Gesamterlass veröffentlicht. Nachdem im Laufe des April 2020 die öffentliche Wahrnehmung der Bedeutung von Covid-19 auf ein Maß angestiegen war,

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