Querdenken wohin, woher? Widerstand wogegen?

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19-08-20 08:49:00,

Dass sich so viele Menschen bei Demonstrationen engagieren, ist schon alleine ein positives Zeichen. Noch vor kurzem haben wir die schlechten Wahlbeteiligungen und das dürftige politische Interesse beklagt. Wer etwas von Demokratie hält, sollte froh sein, dass jetzt so viele Menschen politisches Interesse entwickeln und auf die Straße gehen. Diese Menschen in die antidemokratische oder in die rechte Ecke zu schieben, ist alleine wegen ihrer Bereitschaft zur Demonstration nicht angebracht. Bei prinzipiell positiver Bewertung der neuen Bewegungen bleibt trotzdem die Frage, wohin sich jene, die sich Querdenker oder Demokratischer Widerstand oder sonst etwas nennen, bewegen wollen. Welche inhaltlichen, programmatischen Vorstellungen werden verfolgt? Welche Werte sollen die andere, die neue Gesellschaft prägen? Albrecht Müller.

Vordergründig gut klingende Aussagen wie „weder links noch rechts“ reichen nicht. Das ist ein dürftiges Programm. Ich würde schon gerne wissen,

  • ob für „Jeder ist seines Glückes Schmied“ oder
  • ob für „Solidarität“ und ein „enges soziales Netz“ demonstriert wird,
  • ob für Egoismus oder
  • ob für Mitgefühl,
  • ob beispielsweise für Leiharbeit oder
  • für unbefristete sichere Arbeitsverhältnisse

demonstriert wird.

Wenn die Demonstranten sich darauf verständigen würden, die von ihnen angestrebte Gesellschaft solle von Solidarität geprägt sein, und wenn anerkannt würde, dass viele Menschen tatsächlich der sozialen Sicherheit, also der gemeinschaftlich organisierten Sicherheit gegen das Risiko, krank, pflegebedürftig, arbeitslos oder eben alt zu werden, bedürfen, dann könnten viele Menschen zustimmen und diese neue Bewegung wäre schon von vornherein des Verdachts enthoben, „rechtsoffen“ zu sein. Rechts sind die Neoliberalen, rechts sind jene, die glauben, jeder sei seines Glückes Schmied.

Es ist vor, auf und nach den Demonstrationen viel von Freiheit die Rede. Freiheit ist in der Tat ein recht hoch zu bewertendes Gut. Aber das ist eben nicht alles. Darauf alleine kann man eine Gesellschaft nicht aufbauen.

Für einen älteren Menschen schwingt beim Gebrauch des Wortes „Freiheit“ zudem ziemlich viel Gruseliges mit. „Freiheit statt Sozialismus“ hieß die Parole der CDU und CSU in schlimmen Auseinandersetzungen der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts.

Tausendfach „Freiheit“ haben die anonymen Propagandisten des Widerstands 1972 gegen die Friedenspolitik und die damalige soziale Reformpolitik geschrien und in zahllosen Anzeigen in die Zeitungen eingerückt. Hier zwei Beispiele von Dutzenden,

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