Die zweite Welle ist nicht (!) da

die-zweite-welle-ist-nicht-(!)-da

23-08-20 05:57:00,

Foto: Rangga Aditya Armien/Pexels

Kommentar: Anstieg der Corona-Tests und Anstieg der Infiziertenzahlen – Wer hinterfragt, ist Relativierer

Ihre sehr berechtigte Frage: “Hat die erhöhte Zahl an positiv Testungen auch etwas mit der Ausweitung der Testkapazitäten zu tun?”, muss man sicherlich mit ‘teilweise ja’ beantworten.

Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister auf der Bundespressekonferenz, Anfang August

Zwei Dinge stehen fest: Die Zahl der durchgeführten Corona-Tests steigt. Die Zahl der registrierten Corona-Fälle steigt. Die Zahl der durchgeführten Corona-Tests steigt gerade sogar bis an die Kapazitätsgrenze vieler Labore. Ein Zusammenhang zwischen beidem scheint naheliegend, denn wer mehr sucht, findet natürlich auch mehr.

Trotzdem suggerieren dieser Tage viele Medien, es gebe einen solchen Zusammenhang nicht und konstruieren stattdessen die Gefahr einer zweiten Infektions-Welle. Damit dienen sie vor allem der Karriere-Agenda bestimmter Politiker, vor allem aus der Union. “Die zweite Welle ist schon da.” behauptet zum Beispiel der bayerische Ministerpräsident Markus Söder seit Anfang August.

Mitunter offenbaren solche Medienberichte eine gewisse Unfähigkeit (oder ist es Unwillen?), einfache Zahlen zu lesen oder Zitate zu verstehen und Fakten zu überprüfen.

Als Exempel hat sich der Autor einen Beitrag des Bayerischen Rundfunks (BR) vom 8. August ausgesucht; es könnte allerdings auch der Beitrag eines anderen Mediums sein.

Klassisches Framing

Auf die Feststellung der oben genannten Fakten – steigende Testzahlen, steigende Fallzahlen – folgt sofort eine doppelte Behauptung: “Corona-Relativierer wittern einen Zusammenhang, eine Verschwörung.” Es ist ein schon klassisches Framing, hier sofort ohne Überleitung von “Corona-Relativierern” zu reden. Ist denn jemand, der nachfragt, sofort ein Corona-Relativierer?

Und wäre das schlimm? Ist jeder Journalist, der die Behördenzahlen recherchiert, umgekehrt ein Corona-Gläubiger? Vielleicht sollte man derartige Zuschreibungen besser unterlassen und einfach davon ausgehen, dass alle Bürger die Fakten kennen wollen und im Einzelfall nachfragen – ohne dass sich daraus sofort eine Ideologie konstruieren lässt.

Die zweite Behauptung: Die Gleichsetzung von Zusammenhang und Verschwörung. Denn wer nach einem Zusammenhang fragt, der tut erstmal nur genau das: Er fragt. Ohne dass hier irgendetwas vermutet oder gewittert wird, schon gar keine Verschwörung. Denn gerade, wenn es den vermuteten Zusammenhang gäbe, wäre dies ja eine schlüssige Erklärung, keine Verschwörung.

Manche, die man im Frühjahr “negativ” getestet hätte, würden heute “positiv”  » Lees verder

%d bloggers liken dit: