Arbeit demokratisieren – Digitalisierung gestalten. Bisherige Formen des organisierten und arbeitsrechtlichen Widerstands

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24-08-20 07:29:00,

Digitalisierung ist Staatsaufgabe höchster Priorität. Das Feld ist bereits gut vorbereitet. Dennoch regen sich Kritik und Widerstand gegen einen weiteren, intensivierten Ausbau der Digitaltechnologie: Die Möglichkeit einer digitalen Totalüberwachung wird ebenso vorstellbar wie der Verlust von immens vielen Arbeitsplätzen, von Privatheit, persönlicher Freiheit und demokratischer Teilhabe, psychischer und physischer Unversehrtheit. Der von der Neuen Gesellschaft für Psychologie herausgegebene Band „Digitalisierung – Sirenengesänge oder Schlachtruf einer kannibalistischen Weltordnung“ stellt sich dem Thema der Digitalisierung in unterschiedlichen Facetten und Bereichen: Telematik und Digitalisierung der Psychotherapie, Digitalisierung der Arbeitswelt, des Gesundheits- und Bildungswesens, der militärischen Einsätze, Überwachung und soziale Kontrolle – sowie die Perspektiven des Widerstands dagegen. Werner Rügemer geht in seinem Beitrag auf die bisherige und durch das Corona-Management beschleunigte Digitalisierung der Arbeit ein und plädiert für die Rückbesinnung auf die von der EU verdrängten Arbeitsrechte der UNO und der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Und er skizziert eine menschenrechtliche Gestaltung digitalisierter Arbeit. Ein Auszug.

Der Kampf um die menschenrechtliche Gestaltung digitalisierter Arbeit ist noch in den Anfängen. Die ersten Pioniere der Digitalisierung wie Apple, Microsoft und die Chip-Hersteller des Silicon Valley haben global erfolgreich auf entrechtete Niedriglohnarbeit gesetzt, tun dies heute noch und überglänzen das mit ihren sauber erscheinenden Produkten und konsumentenfreundlichen Dienstleistungen. Ebenso agieren die neuen Akteure der Plattform-Ökonomie wie Amazon (Handel), Uber (Fahrdienste), Deliveroo (Essensauslieferung) und Soziale Netzwerke (Löschdienste). Auch in traditionellen Branchen wie bei Autoherstellern und Medien wird Crowdworking ausgebaut (Einzel- und Kleinstaufträge per App).

Im Folgenden werden einige bisherige Versuche vorgestellt, um digitalisierte Arbeit menschenrechtlich zu organisieren. Es handelt sich um Versuche, bei denen die Erfolge sich bestenfalls in Vor- und Teilformen des Menschenrechtlichen bewegen.

International vernetzt gegen Amazon

Amazon nutzt das Corona-Management zur Ausweitung seiner Marktmacht. In den USA wie in der EU werden arbeitslos gewordene Niedriglöhner aus dem Hotel- und Gastronomiebereich angeworben. Trotz Covid-19-Infektionen wird in Fulfillment Centers weitergearbeitet. Die Geschäftsführung dringt auf die Ausweitung der Arbeit am Wochenende. Hersteller, die bisher den Vertrieb selbst organisiert haben, wechseln nun zwangsweise zu Amazon. Das betrifft zum Beispiel auch Toilettenpapier – es wurde in Supermärkten auch deshalb knapp, weil der Verkauf über Amazon verzehnfacht wurde (vgl. Kläsgen & Wischmeyer 2020).

Im Kampf um Menschenrechte im Bereich der digital intensivierten Arbeit ist Amazon mit 650 000 Beschäftigten weltweit einer der wichtigsten Widersacher:

  1. Amazon verbreitet weltweit grundsätzlichen Hass gegen Gewerkschaften und jede Form der kollektiven Vertretung der Beschäftigten.

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