Die Corona-Schuldenfalle

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25-08-20 02:40:00,

In einer beim IWF im Juni 2020 erschienen Studie (3) heißt es, dass im vergangenen Jahrzehnt der größte, stärkste und breiteste Schuldenanstieg in Entwicklungs- und Schwellenländern der letzten 50 Jahre stattgefunden habe. Seit 2010 sei deren Schuldenstand im Verhältnis zum Sozialprodukt um 60 Prozentpunkte auf 170 Prozent vom BIP 2019 angestiegen. Ohne China sei dieses Verhältnis um 20 Prozentpunkte auf 108 Prozent angestiegen. Dabei sei der Anteil der von ausländischen Investoren gehaltenen Staatsschulden auf 43 Prozent und der Anteil von in ausländischer Währung aufgenommenen Unternehmensschulden von 19 Prozent 2010 auf 26 Prozent vom BIP 2018 gestiegen. In den besonders armen Ländern habe sich der Schuldenstand von 47 Prozent 2010 auf 65 Prozent 2019 erhöht.

Bei den produzierenden und Dienstleistungsunternehmen der Schwellenländer (emerging market economies, ohne China) lautet derzeit ein Fünftel der Schulden auf ausländische Währung (4). Wie sollen diese Schulden von den armen Ländern zurückgezahlt werden angesichts einer einbrechenden Weltwirtschaft und eines um mindestens 13 Prozent schrumpfenden Welthandels (5), wenn also Devisen über Exporte viel schwieriger erlangt werden können?

Dazu kommt: Über 20 Billionen Dollar Schulden und Anleihen werden bis Jahresende 2020 fällig, müssen also entweder zurückgezahlt oder durch neue Schuldenaufnahme verlängert werden, davon 4,3 Billion in Schwellenländern (inklusive China). Hiervon sind 730 Milliarden Dollar Schulden (inklusive China) in Auslandwährung (6). Zum Vergleich: Das Welt-BIP, die Weltwirtschaftskraft betrug 2019 etwa 86,6 Billionen Dollar (7).

Das sind beeindruckende Zahlen. Daher schrieb das Wall Street Journal im Juli 2020:

„Die Welt läuft immer schneller auf eine Schlacht über die Schulden der Schwellenländer zu, wie sie bisher nur wenige gesehen hat.“

Der Titel des Artikels lautete bezeichnenderweise: „Covid‘s nächste Wirtschaftskrise: Die Schulden der Entwicklungsländer“ (8). Mindestens 12 Schwellenländer haben demnach momentan akute Rückzahlungsprobleme oder sind nahe daran.

Bereits im April 2020 haben die 20 führenden Volkswirtschaften, die G 20, ein Schuldenmoratorium für mehr als 70 (!) Entwicklungsländer beschlossen, das heißt, dass die Schulden nicht mehr bedient werden müssen. Ironischerweise ist Argentinien Mitglied im G 20-Club. Argentinien ist seit Februar 2020 zahlungsunfähig und steht momentan vor dem neunten Staatsbankrott (9). Bis April 2020 hatten bereits 102 Länder beim IWF wegen Notkrediten angefragt (10). Einige davon wollten nicht genannt werden aus Sorge davor, sonst von anderer Seite keine Kredite mehr zu bekommen. 102 Länder. Das ist mehr als die Hälfte aller etwa 194 Länder der Welt (11).

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