Gemeinsam heilsam

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26-08-20 02:05:00,

Es war einmal eine Raupe, die an einem schönen Sonntagmorgen hungrig aus ihrem Ei schlüpfte. Sie fraß sich durch einen Apfel, zwei Birnen, drei Pflaumen — sie fraß und fraß und baute sich ihren Kokon, dem sie schließlich als Schmetterling entflog. Diese Geschichte der kleinen Raupe Nimmersatt ist kinderleicht zu verstehen. Das Lebendige durchläuft in seiner Entwicklung verschiedene Etappen. Es wird geboren, sucht nach Nahrung und erlebt Wandlungsprozesse.

Die Geschichte endet nicht mit einer Raupe, die sich überfressen hat und in dem Gefängnis steckenbleibt, das sie sich selbst geschaffen hat. Ihre anfängliche Unrast mündet in einer Phase der Ruhe und scheinbaren Unbeweglichkeit. Von außen gesehen passiert nichts. Nichts macht sich bemerkbar. Innen jedoch vollzieht sich ein grundsätzlicher Wandel. Die Raupe wird zu dem, was ihre Bestimmung ist: ein schöner Schmetterling.

Wo sie vorher durch das Blattwerk kroch, breitet sie nun die Flügel aus und erfährt eine Freiheit, die ihr vorher unbekannt war. Bis es so weit sein kann, muss ihre alte Form sterben. Die Raupe muss gewissermaßen durch einen engen und dunklen Tunnel hindurch, bevor sie in einem neuen Licht wieder in die Welt tritt. Der neu entstandene Schmetterling erhebt sich in die Höhe und fliegt von Blüte zu Blüte. Wo er vorher mit dem eigenen Fressvorgang beschäftigt war, ist nun ein neuer Aspekt in sein Leben getreten: Er trägt den kostbaren Nektar pflanzlichen Lebens von Blüte zu Blüte.

Der Werdegang des Schmetterlings verkörpert die fruchtbare Verbindung zwischen Tier und Pflanze, Himmel und Erde, Horizontale und Vertikale. Sein Prozess der Wandlung versinnbildlicht den natürlichen Zyklus, dem alles Leben folgt.

Beispielhaft wird deutlich, dass das Leben nicht mit dem Übergang in eine nächste Erscheinungsform endet. Der Wandel gehört zum Leben. Das, was oberflächlich gesehen wie das Ende aussieht, ist in Wirklichkeit ein neuer Anfang.

Die Geschichte von der Wandlung der Raupe zum Schmetterling ist das Leitbild des Netzwerkes Collective Healing (1). Das Projekt wurde aus der Begegnung zwischen Alexandra Kleeberg, Bettina Flossmann und Dietrich Busacker geboren. Alle drei kennen sich in Transformationsprozessen aus, als Psychotherapeutin, als ehemalige Krebskranke und als Unternehmer. Für sie ist Krankheit ein Anlass, alte, überholte Lebensformen in neues Leben zu verwandeln. Die Krise ist gleichermaßen eine Chance, eine Gelegenheit, unser ureigenes Potenzial zu entfalten und uns entsprechend der in uns verankerten Anlagen weiterzuentwickeln.

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