Lauter Empfang für Spahn in Wuppertal und keine Brücken zur Protestbewegung – ein Vorgeschmack auf den kommenden Bundestagswahlkampf

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26-08-20 08:23:00,

Gesundheitsminister Spahn ist in Wuppertal laut und unfreundlich empfangen worden. Siehe Video hier. Bitte anschauen. Es ist nicht lang. Spahn ging nicht auf die Protestierenden zu. Ein Polizist reagierte überzogen. So oder ähnlich kann es im Bundestagswahlkampf und bei anderen Gelegenheiten laufen. Die Protestbewegung, deren Stärke oder Schwäche wir am kommenden Samstag in Berlin erleben werden, wird sich auch lokal bemerkbar machen. Und die Parteien und Medien mauern. Alle mauern. Keine Brücken. Entsetzlich und dumm. Albrecht Müller.

Es gibt tatsächlich keine Brücken zu der Corona-Protestbewegung. Die Gewerkschaften, die Medien, die Parteien, auch die meisten Intellektuellen, Kabarettisten, Kulturschaffenden haben die Brücken abgebrochen – Uli Gellermann, Ken FM und ein paar wenige andere ausgenommen. So dumm war der Umgang mit den 68ern nicht. Da gab es ja immerhin zwischen Intellektuellen in den Universitäten und in der Literatur und auch von einzelnen Parteimitgliedern namentlich der SPD und der Gewerkschaften enge Verbindungen. Eine konkrete Erinnerung: Die Konservativen in der SPD haben beim Nürnberger Parteitag 1968 getobt, weil die Studenten und andere Achtundsechziger in Berlin und Ableger davon auch in Nürnberg demonstrierten und Willy Brandts Sohn Peter daran beteiligt war. Aber Brandt, Heinemann, Ehmke und andere blieben trotz des innerparteilichen Drucks der Kanalarbeiter, der Vorgänger der Seeheimer, offen für die Protestbewegung der jungen Generation. Der enorme Zuwachs an SPD-Mitgliedern auf über 1 Million zwischen 1968 und 1972 und der Zuwachs an geistiger Stärke in dieser Zeit ist anders nicht zu erklären.

Heute wissen wir zwar, dass unter den neuen Demonstranten viele Sympathisanten, Anhänger und Mitglieder von SPD, Grünen, Linken sind. Aber offiziell? Da gibt es keine Brücken, sondern Stigmatisierungen und Beschimpfungen. Die SPD-Co-Vorsitzende Esken zum Beispiel hat mit dem Schimpf-Wort Covidioten ein markantes Etikett verteilt und zugleich die möglichen Sympathien verscherzt – vermutlich mit nachhaltigem „Erfolg“ für das Wahlergebnis der SPD.

Die Linkspartei ziert sich offensichtlich nicht, der SPD-Führung zu folgen. Der geschäftsführende Parteivorstand der Linken hat am 24. August das hier verlinkte Papier beschlossen. Darin heißt es unter anderem:

Am 29. August 2020 wollen noch mehr Anhängerinnen und Anhänger von Verschwörungserzählungen, Rassistinnen und Rassisten, Islamfeindinnen und Islamfeinde, Antisemitinnen und Antisemiten, Holocaustleugnerinnen und Holocaustleugner sowie extreme Rechte von AfD, NPD bis hin zu Reichsbürgerinnen und Reichsbürgern, III. Weg und Nazihools nach Berlin kommen und die Gelegenheit eines ungeahnt großen Publikums nutzen.

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