“Wir müssen harte Aufklärungsarbeit leisten”

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26-08-20 07:37:00,

  1. “Wir müssen harte Aufklärungsarbeit leisten”

  2. Proteste: Man will “sein Leben zurückhaben”


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Ein Telepolis-Gespräch über Krise, Corona und Kapital mit dem Politologen und Buchautor Winfried Wolf

Winfried Wolf1 ist Diplom-Politologe, Dr. phil. und Chefredakteur von Lunapark21 – Zeitschrift zur Kritik der globalen Ökonomie. Er publiziert zu den Themen Weltwirtschaft/Globalisierung/Krise, Krieg/Frieden/militärisch-industrieller Komplex und Verkehrspolitik/Bahn. Er ist Initiator der seit April 2020 erscheinenden Publikation Fakten-Check: CORONA, von der im Juli 2020 die zweite Ausgabe erschien.

Herr Wolf, Sie veröffentlichen gemeinsam mit Verena Kreilinger und Christian Zeller eins der ersten Bücher, die sich aus linker Perspektive mit den Ursachen und dem Verlauf der Corona-Pandemie befassen. Sie wollten dabei einen Beitrag zur Diskussion “solidarischer und emanzipatorischer Strategien” im Kontext der Corona-Pandemie, der Klimakatastrophe und der globalen Wirtschaftskrise leisten, wie Sie im ersten Kapitel schreiben. Können Sie das etwas ausführen? Wieso erwähnen sie alle drei Krisenprozesse, die ja im bürgerlichen Corona-Diskurs kaum in Verbindung miteinander gebracht werden?

Winfried Wolf: Alle Welt spricht und schreibt von einer Corona-Krise. Und meint damit fast immer zugleich die Wirtschaftskrise. Oder auch: Man versucht mit dem breit angelegten Begriff “Corona-Krise” zu verdecken, dass wir eine handfeste Wirtschaftskrise erleben, die mit Corona wenig zu tun hat. Das ist ähnlich wie 1973-75. Damals gab es im Westen die erste internationale Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das war ideologisch ein echter Einschnitt – die Periodizität des kapitalistischen Krisenzyklus, die durch die Weltwirtschaftskrise, den Zweiten Weltkrieg und die Rekonstruktionsphase danach unterbrochen worden war, wurde erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Doch was machten daraus die bürgerlichen Ideologen?

Man bezeichnete dieses Ereignis – und bezeichnet es bis heute – als “Ölkrise”. Tatsächlich hatte der deutliche Anstieg des Ölpreises damals nur eine Triggerfunktion. Und just so ist es heute: Einigermaßen pünktlich erleben wir 10 Jahre nach der schweren Krise 2007-2009 eine neue Weltwirtschaftskrise. Die Periodizität ist geradezu erschlagend: 1974/75, 1980-82, 1990/91, 2000/2001, 2008/2009 und nun eben 2020ff.

Diese neue Krise zeichnete sich spätestens ab Herbst 2019 ab. So lag 2019 beispielsweise die Weltautoproduktion um 9 Prozent unter dem Niveau von 2017.

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