Tatort Wolfsburg: VW diktiert Preise, hungert Zulieferer aus – und feuert den Verräter

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28-08-20 07:27:00,

Volkswagen erlebt den „größten Abhörskandal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte“ und kaum einer kriegt`s mit. Über Monate wurden die Sitzungen einer konzerninternen Sondereinheit zum Umgang mit dem missliebigen Zulieferer Prevent durch einen Manager abgehört. Der Fall hat das Zeug zum Krimi: Der Maulwurf wurde enttarnt, vor die Tür gesetzt und ist jetzt wahrscheinlich tot. Zu einer verkohlten Leiche kommen ein verbranntes Haus und allerhand Interna aus der Rubrik “Wie serviert man einen Geschäftspartner ab?”. Auch Ex- und Autokanzler Schröder spielt eine Rolle. Welche, behält er für sich. Von Ralf Wurzbacher.

VW geht über Leichen, so wie andere Autobauer auch. Das ist unbestreitbar. Strittig ist, wie viele Menschen wegen des übermäßigen Ausstoßes von Feinstaub, Stickoxiden und Stickdioxiden ihr Leben lassen. Die US-Consultingfirma Environmental Health Analytics (LLC) hat sich 2019 in einer Studie an einer Einordnung versucht. Ergebnis: Jahr für Jahr soll es weltweit 107.000 vorzeitige Sterbefälle nur im Zusammenhang mit Dieselabgasen geben. Allein aufgrund nicht eingehaltener Grenzwerte wären im globalen Maßstab jedes Jahr 38.000 Opfer zu beklagen, davon 11.400 in Europa. Die Belastbarkeit solcher Daten sei dahingestellt und offen bleibt auch, wie groß der Beitrag von Volkswagen an den Verlusten an Menschenleben ist. Aber fraglos haben die Wolfsburger reichlich Schuld auf sich geladen.

Zu den zahl- und namenlosen Toten im VW-„Dunstkreis“ ist inzwischen ein einzelner dazugekommen. Ob dieser auf das Konto des deutschen Weltkonzerns geht, ist längst nicht ausgemacht und soll hier auch nicht behauptet werden. Trotzdem ist die Angelegenheit höchst brisant und könnte noch sehr ungemütlich werden für die Volkswagen-Führungsetage. Denn nach dem kostspieligen und für das Image verheerenden Dieselskandal wirft der Fall ein Schlaglicht auf ein anderes Merkmal des VW-Systems: Den rigorosen Umgang mit seinen Zulieferern.

Mutmaßlich toter Spitzel

Was ist passiert? Am 10. August war in einem Waldstück nahe Rottorf im Landkreis Helmstedt in einem ausgebrannten Auto die völlig verkohlte Leiche eines Mannes gefunden worden. Zwei Tage später berichteten zuerst die „Wolfsburger Nachrichten“, dass es sich bei dem Toten um die zentrale Figur der „VW-Abhöraffäre“ handeln würde, jenen Volkswagen-Manager, der über ein Jahr lang interne Strategiesitzungen zum Umgang mit der renitenten Zuliefergruppe Prevent per Tonband aufgezeichnet haben soll.

Erst 14 Tage nach der Entdeckung teilte die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit, dass es sich bei dem Toten gemäß DNA-Analyse um den Fahrzeughalter handelt.

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