Auf nach Berlin!

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29-08-20 12:30:00,

Die einen setzen große, fast messianische Hoffnung auf diesen Tag. Sie erwarten viele Millionen Demonstrierende, ein überfülltes, komplett lahmgelegtes Berlin, ein gigantisches Fest des Friedens, das die Corona-Hysterie mit einem Schlag beenden und die Merkel-Regierung zum Rücktritt zwingen wird.

Die anderen haben vor der Großdemonstration am heutigen Samstag offenbar große Angst. So vor allem Innensenator Andreas Geisel, der nach dem Motto „Probieren kann ich‘s ja mal“ ein juristisch fadenscheiniges Verbot aussprach, das sein fragwürdiges Demokratieverständnis offenbart. Ungeniert gab Geisel zu erkennen, dass ihm die inhaltliche Richtung der Proteste schlicht nicht in den Kram passt. Er wolle „Corona-Leugnern keine Bühne bieten“. Dieser Versuch, das Versammlungsrecht verfassungswidrig auszuhöhlen, wurde nun vom Berliner Verwaltungsgericht gekippt.

Auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik hat offenbar große Angst. Sie sieht eine „neue Dimension“ der Gewaltbereitschaft bei den Demonstranten. Die Polizei rückte schon gestern mit schwerem Gerät in Berlin ein, als bereite sie sich auf bürgerkriegsähnliche Zustände vor. Kein Zweifel: Die Staatsmacht ist nervös, und sie hat Grund dazu. Nicht jedoch, weil heute wirklich ein „Multispreader-Event“ mit hunderten Corona-Toten zu erwarten wäre. Nicht, weil ein vernünftiger Grund zu der Annahme bestünde, von der neuen Freiheitsbewegung könne Gewalt ausgehen. Der Verlauf der Vorgängerdemonstration am 1. August 2020 zeigte auf das Deutlichste, dass beide „Argumente“ nur verleumderische Angstprojektionen sind.

Nein: eine noch größere oder gar viel größere Demonstration für die Wiederherstellung unserer Grundrechte als beim letzten Mal könnte das Gewicht der neuen Bewegung aus der Mitte der Bevölkerung unmissverständlich ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Könnte alle Versuche der Staatsmacht, den Unmut der Menschen durch Faktenfälschung und Zahlentricks klein zu reden und zu diskreditieren, ins Unrecht setzen und deutlich machen: Hier haben wir es mit der mächtigsten friedlichen Protestbewegung seit der Auflösung der DDR vor 31 Jahren zu tun. Es wird hernach weitaus schwieriger sein, die Forderungen der Demonstrierenden einfach zu ignorieren oder sie als einen Haufen von Spinnern und Nazis zu verleumden. Es wird schlicht zu viele Zeugen für das Geschehen geben — im Pulk der Protestierenden, bei den Zuschauern aus der Berliner Bevölkerung wie den Zuhausegebliebenen, die das Geschehen in den diversen Livestreams mitverfolgen.

Veranstalter und alternative Medien sind gut darauf vorbereitet, realistische Schätzungen der Demonstrierendenzahlen vorzunehmen und Versuche, das Großevent wieder auf 17.000 Personen herunter zu lügen, schon im Keim zu ersticken. Aktivistinnen und Aktivisten haben Zelte errichtet und wollen — in der Tradition der Occupy-Bewegung — über den Tag hinaus in Berlin präsent bleiben.

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