«Blick» schürt mit falschen Assoziationen Corona-Angst

«blick»-schurt-mit-falschen-assoziationen-corona-angst

31-08-20 09:53:00,

Auf “Blick TV” und “Blick online” (Bild mit Originaltext, 27.8.20; Rechnen kann “Blick” auch nicht.) © ringier

Urs P. Gasche / 31. Aug 2020 –

Das Boulevard-Medium suggeriert, dass positiv Getestete in der Intensivstation landen. Doch die meisten werden nicht einmal krank.

«Blick» verbreitet die Zahl der «neuen Coronafälle» und hinterlegt diese Schlagzeile mit einem Patienten, der in der Intensivstation liegt. Diese optische Dramatisierung hat mit der Realität nicht das Geringste zu tun.

Bei den täglich vom BAG gemeldeten Zahlen handelt es sich um Personen, die in der Schweiz neu auf Sars-CoV-2 positiv getestet wurden. Fast alle diese positiv getesteten Personen – seit Wochen fast nur jüngere – haben höchstwahrscheinlich das Virus erwischt, sind jedoch nicht krank, waren nicht krank und werden nach dem Test auch nicht krank. Noch viel weniger mussten oder müssen sie in Spitalbehandlung, geschweige denn in eine Intensivstation. Doch «Blick» weckt diesen völlig falschen Eindruck. Darauf angesprochen lässt die «Blick»-Chefredaktion ausrichten: «Das erwähnte Foto ist in der Tat unglücklich gewählt. Es wird ab sofort nicht mehr verwendet.»

Wer solche Angstmacherei und andere Irreführungen kritisiert, kommt schnell in den Verdacht, die Corona-Krise verharmlosen zu wollen. Doch es schmälert die Glaubwürdigkeit von Medien und Behörden, wenn sie einseitige, irreführende oder sogar falsche Informationen verbreiten. Wenn das Vertrauen in Medien und Behörden schwindet, sind sie dafür mitverantwortlich. Auch angesehene Medien, einschliesslich ARD und ZDF, würden «oft in irreführender Art und Weise berichten», stellt das unabhängige Deutsche Netzwerk Evidenz-basierte Medizin (EbM-Netzwerk) fest. Das Kritisierte trifft auch für die Schweiz zu.

Seit Ende Mai stecken sich vor allem 20- bis 39-Jährige an

Positiv getestete Männer (blau) und Frauen (rot) pro 100’000 Einwohner. Diese Altersverteilung während der 14 Tage vor dem 29. August ist etwa die gleiche wie bereits seit Mitte Mai. (Auswertung der Zahlen und Grafik: Josef Hunkeler)

Die deutliche Mehrheit aller positiv Getesteten seit Mitte Mai sind jünger als 60 Jahre alt. Am häufigsten angesteckt hat sich die Altersgruppe der 20- bis 29-Jährigen.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: