Warum wir den Vorwurf „Lügenpresse“ ernst nehmen sollten.

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31-08-20 09:44:00,

Die Journalistin Gabriela Uhde hat aus Anlass des Demonstrationsgeschehens und des Umgangs unserer Medien damit einen Kommentar für die NachDenkSeiten geschrieben, den wir Ihnen zum Abschluss des Demonstrationswochenendes und zur Einstimmung auf viele Berichterstattungen und Kommentierungen des Geschehens gerne zur Kenntnis geben. Albrecht Müller.

Warum wir den Vorwurf „Lügenpresse“ ernstnehmen sollten.
Von Gabriela Uhde[*]

Am Samstagabend um 19.20 Uhr stand in den EPG-Informationen[**] zur „Heute“-Sendung als Stichwort über die dort behandelten Themen: „Demonstration gegen Corona-Maßnahmen – Veranstaltung aufgelöst“.

Das war, freundlich gesprochen, irreführend. Es konnte den Eindruck erwecken, dass die gesamten Aktivitäten der DemonstrantInnen in Berlin eingestellt worden wären. Wer das las, wurde also falsch informiert.

Denn tatsächlich war mittags ein Demonstrationszug in Berlin in der Friedrichstraße aufgelöst worden, doch die Kundgebung an der Siegessäule war zu diesem Zeitpunkt noch in vollem Gange und wurde wie geplant erst spät am Abend beendet.

Vier Wochen zuvor hatte sich Dunja Hayali für ihre ZDF-Sendung auf der Demonstration derselben „Querdenker 711“ den Vorwurf „Lügenpresse“ anhören müssen. Sie empörte sich darüber, dass diese Rufer damit die Pressefreiheit mit Füßen traten.

Das passt schlecht zusammen.

Wer wirklich daran interessiert ist, guten Journalismus zu betreiben, muss in der Lage sein, nicht nur Hintergründe zu entdecken, sondern auch stets sich selbst kritisch zu hinterfragen.

Und dann muss man feststellen: Ja, in den Medien werden tatsächlich Lügen verbreitet. Tagtäglich. Hinter so manch öffentlich gegebenem Ehrenwort versteckten sich üble Machenschaften.

Wie oft werden Politiker zitiert oder kommen im Fernsehen selbst zu Wort, die ihre Haut retten wollen, nachdem sie Unredliches getan haben? Wie viele Bürgermeister stellen der Leserschaft die Situation in ihrer Kommune anders dar, als sie in Wahrheit ist?! Die Agierenden selbst mögen es vielleicht nicht so sehen, sehen sich in einer Verteidigungslage, in der ihnen jede Notlüge erlaubt scheint. Doch es ist und bleibt eine Lüge, wenn man die Wahrheit verdreht.

Auch das Weglassen eines Teils der Realität ist eine Lüge. Denn dies bedeutet, dass das Gesamtbild verfälscht dargestellt wird. Wir wissen alle, dass kein Mensch die ganze Wahrheit erkennen, geschweige denn abbilden kann. Sich aber bewusst auf einem Auge blind zu stellen, ist nur eine schlechte Angewohnheit, die man sehr schnell ablegen kann.

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