„Abscheuliches“ Gift: Politologin Erler hinterfragt Reaktionen im Fall Nawalny und benennt Lösung

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04-09-20 08:47:00,

Eine tiefe Auseinandersetzung mit dem Fall Skripal und „Nowitschok“ ermöglichte der Politologin und der ehemaligen EU-Beamten Dr. Petra Erler, der offiziellen Version der britischen Regierung zu widersprechen. In einem Gespräch verzichtet Erler auf Spekulationen im Fall Nawalny und unterstreicht, dass die Aufklärung im Interesse aller liegt.

Kaum hat die Bundeskanzlerin am Mittwoch den russischen Kreml-Kritiker Alexej Nawalny zum „Opfer eines Verbrechens“ erklärt und Gespräche mit den EU- sowie Nato-Partnern angekündigt, droht die EU Russland nun offen mit Sanktionen. Manche deutschen Politiker wie der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen (CDU), gehen allerdings noch weiter und wünschen sich diesbezüglich einen Stopp der Nord Stream 2. Das Medienecho ist so gut wie eindeutig: Putin stecke hinter der Vergiftung, die das Speziallabor der Bundeswehr nun bestätigte. Und zwar mit dem Nervengift Nowitschok – wie im Fall Skripal im englischen Salisbury.

Dabei wirft die Version der Bundesregierung viele Fragen auf

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Sputnik / Aleksej Witwitzkij

Warum etwa hat Putin Nawalny nach Deutschland ausfliegen lassen? Kann man mit Nowitschok die Menschen nur einzeln ausschalten? Warum haben die russischen Ärzte erstmal keine Giftspuren im Blut des Oppositionellen gefunden

Die Politologin Dr. Petra Erler, mit der Sputnik einmal ausführlich über die Lücken im Skripal-Fall sprach, will sich nicht auf Spekulationen einlassen und schlägt vor, bei den Fakten zu bleiben. Fakt sei etwa, dass Nawalny mit einem Gift der Familie Nowitschok vergiftet wurde und dass eine Zusammenarbeit von Deutschland und  Russland notwendig ist – „weil es sich um einen russischen Staatsbürger handelt, der Opfer einer Straftat wurde“, sagt Erler gegenüber Sputnik.

Jedoch:

„Schon Sherlock Holmes hat es gewusst, man soll sich nicht erst eine Schlussfolgerung zurechtlegen und dann die Fakten passend machen.“ Sie warnt davor, Sanktionen zu beschließen, bevor man die Wahrheit kenne. „Ich bin dagegen, einen Vorfall sofort zu nutzen, um politische Konsequenzen in Gang zu bringen, ohne die Einzelheiten und alle Fakten zu kennen.“

Für die Aufklärung der Wahrheit würden eine Reihe von Umständen stehen, weist die Politologin hin. Man könne am Handeln aller Parteien sehr gut ablesen, ob eine oder beide Seiten an der Aufklärung und der Zuweisung der Verantwortung für die Tat interessiert seien. „Das liegt daran, dass Nervengifte wie Nowitschok  nicht nur Spuren im Blut eines Opfers hinterlassen.

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