Drohende Auslöschung

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08-09-20 03:50:00,

Wie wichtig der Frieden ist, für den wir hier zusammengekommen sind, wird schon durch die Tatsache klar, dass genau die Gegend hier vor 75 Jahren das zu über 90 Prozent zerstörte Herz der „Waffenschmiede des Reiches“ war, wie die Nazis Essen nannten. Für Kriegsstrategen ist Essen auch heute noch von großer Bedeutung: Hier haben Deutschlands wichtigste Rüstungskonzerne ihre Büros, nämlich Rheinmetall als Joint-Venture-Unternehmen von Ferrostaal und natürlich Krupp; Rheinmetall und Thyssenkrupp sind die beiden größten Rüstungskonzerne. Und NATO-Strategen beraten jeden Herbst in Essen über neue Konzepte zur Kriegsführung im 21. Jahrhundert (1).

Nicht nur in unserem Land protestieren Gewerkschaften, Friedenskräfte und Ökologen gegen die falsche Schwerpunktsetzung der Politik: Der Militäretat des Bundes steht kurz davor, die 50-Milliarden-Marke zu durchbrechen, während die Ausgaben beispielsweise für Gesundheit bei 15 Milliarden stagnieren (2). Die Daseinsvorsorge tritt hinter dem Militärsektor zurück. Das wird auch daran deutlich, dass für Umwelt nur an die 3 Milliarden Euro vorgesehen sind. Es zeigt sich: Wir müssen aufklären und eine zukunftverträgliche Politik fordern und erringen. Wir müssen zum Beispiel darüber aufklären, dass die kritischen Nuklearwissenschaftlerinnen und Nuklearwissenschaftler in ihrem Bulletin die Alarmuhr, die sie Weltuntergangsuhr nennen, mit einhundert Sekunden vor Mitternacht auf die bisher kürzeste Vorwarnzeit überhaupt vorgestellt haben (3).

Die Gleichgültigkeit vieler Verantwortlicher in Wirtschaft und Politik gegenüber der Faktenlage und damit gegenüber der Gefahr erinnert an die Haltung führender Kräfte vor dem Ersten Weltkrieg, der Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts.

Was ab 1914 und dann noch einmal — und viel schrecklicher — ab 1939 über die Menschheit hereinbrach, übertraf bei Weitem die Vorstellungskraft der Menschen. Vom Luftkrieg, vom Gaskrieg und von anderen industrialisierten Formen des Tötens, an denen auch der Essener Krupp-Konzern großen Anteil hatte, hat sich die Welt bis heute nicht vollständig erholt; viele jetzige Konflikte gehen auf diese Zeit zurück.

Die Kriegstechnik von heute übersteigt erneut das menschliche Vorstellungsvermögen. Diejenigen, die den Krieg im 21. Jahrhundert technisch und strategisch vorbereiten — so als könne das Szenario ihnen selbst nichts anhaben —, nehmen tatsächlich fatale Konsequenzen bis zum finalen Untergang der Menschheit — und damit natürlich auch ihr eigenes Ende — in Kauf. Ein Missverständnis kann augenblicklich den Funken auslösen, der sich in Windeseile zum Flächenbrand ausbreitet.

Wir haben neue und alte Gründe zugleich, uns 75 Jahre nach 1945 und damit auch nach Hiroshima für die Zukunft des Lebens zu engagieren.

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