Das Spiel mit der Angst

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09-09-20 08:26:00,

Marcel Fratzscher, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), erklärte indes, dass ein Lockdown eine gute Chance wäre, endlich mit Corona abzuschließen. Der Mann spricht als Vertreter der Großindustrie; Kleinunternehmer halten so einen Schritt sicher nicht aus. Die Politik nimmt das zur Kenntnis, erklärt, sie würde alles tun, um einen solchen Schritt abzuwenden. Dabei ist eigentlich davon auszugehen, dass ein solcher Lockdown nicht droht. Dennoch nährt man das Schreckgespenst. Das ist politisches Kalkül.

Weiß denn keiner mehr, warum dieser erste Lockdown ausgerufen wurde? So lange ist das alles noch gar nicht her. Die digitale Demenz scheint jedoch unerbittlich. Mal auf die Sprünge geholfen: Es hatte etwas mit den Krankenhäusern zu tun — insbesondere mit den Bildern aus Norditalien, speziell aus Bergamo.

So ein Szenario wollte man verhindern, die Kliniken sollten nicht wie dort überfüllt, die Intensivstationen nicht überlaufen sein. Die Triage war das Thema des Moments, die ärztliche Selektion für begrenzte medizinische Mittel, die unter Umständen Wirklichkeit werden könnte: Das sollte bitte nicht notwendig werden.

Man präsentierte den Bürgern eine Grafik, die so gut wie überall zu sichten war. Eine Kurve zeigte an, dass in den nächsten Wochen Millionen von Menschen am Virus erkranken könnten. Etwa 20 Prozent würden einen Krankenhausbehandlung brauchen. Das sei aber bereits zu viel, das Gesundheitssystem stehe dann vor einem Kollaps. Deswegen wurde diese Grafik in den Medien auch gerne animiert gezeigt. Dort erklärte man, was ein Lockdown bewirken könnte, indem diese Kurve abgeflacht, die drohende Situation entzerrt wurde.

Das Brachliegen des öffentlichen Lebens war also nicht einfach nur eine Maßnahme zur Ausrottung des Virus, wie wir das einige Monate später gerne verklären: Es war an die Gesundheitsversorgung gekoppelt. Der Lockdown sollte sicherstellen, dass Ärzte und Pflegekräfte nicht verheizt werden, zumal sie selbst auch erkranken würden — und er sollte garantieren, dass jeder Bürger adäquat versorgt werden kann. So weit die Theorie …

Dass es dann anders kam, wissen wir ja. Die Prognose war zu düster. Andere Prognosen wurden als Ausdruck falschen Optimismus‘ verworfen. Dennoch war jener Lockdown ein Schritt, der ein klares Ziel definierte: eben die Sicherstellung der medizinischen Versorgung.

Warum zum Henker kommt das Thema jetzt aber alle naselang aufs Tapet? Die einen fürchten sich davor, die anderen hoffen auf eine weitere Ruhephase — und wieder ganz andere glauben ernstlich,

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