Der Druck wächst, Nord Stream 2 zu stoppen

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10-09-20 07:40:00,

Bild: Nord Stream 2 / Axel Schmidt

Die USA drängen auf Beendigung der Pipeline, allerdings ist Russland für die USA der viertgrößte Lieferant von Öl

In Deutschland ist nach dem mutmaßlichen Giftanschlag auf den russischen Oppositionspolitiker und Korruptionsaufklärer Alexei Nawalny ein Streit um die allerdings seit Beginn kritisierte Gaspipeline Nord Stream 2 ausgebrochen. Jetzt werden Moral und Menschenrechte ins Feld geführt, um ein Verbot zu erreichen, das vor allem von den östlichen EU-Ländern wie Polen oder den baltischen Staaten, aber auch von den USA längst gefordert wurde und mit Sanktionen durchgesetzt werden sollte.

Hier dürfte es auch kaum einen Unterschied geben, sollte Joe Biden der nächste US-Präsident werden. Schon 2016 warnte Biden die EU vor einer weiteren Energie-Abhängigkeit von Russland, Nord Stream 2 brauche sie nicht, sondern eine Diversifizierung der Importe. Jetzt will Biden auf Erneuerbare Energien setzen und die USA bis 2050 zu einem Nullemissionsland machen. Das dürfte aber die antirussische Position der Demokraten, die sich durch die Präsidentschaft Trumps noch verstärkt hat, nicht verändern. Weder die USA noch seine Alliierten sollten von Importen aus Russland und China abhängig sein.

Dafür boten die USA selbstlos eigenes Frackinggas an, das nicht nur teurer, sondern auch klimaschädlicher als das russische Gas ist. Die EU fördert denn auch in der vierten Liste mit Vorhaben von gemeinsamem Interesse (Projects of Common Interest, PCI), um die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren und die von den USA zu steigern, mit Milliarden 32 Flüssiggasprojekte wie Pipelines und Flüssiggasterminals. In Deutschland sind 3 LNG-Terminals geplant.

Nach dem Handelsblatt gibt es in der EU bislang 36 LNG-Terminals, die “im Durchschnitt allerdings nur zu weniger als 30 Prozent ausgelastet sind”. Da käme ein Stopp von Nord Stream 2, kurz bevor die Pipeline fertiggestellt ist, zum geeigneten Moment, zumal Deutschland, das 40-50 Prozent seiner Erdgasimporte aus Russland bezieht, mit dem Ausstieg aus Kohle und Kernkraft vermutlich erst einmal noch mehr Gas benötigen wird, auch wenn Gas nur als Brückentechnik gilt. Das trifft auch auf andere europäische Länder zu, 40 Prozent der Gasimporte in die EU kommen aus Russland.

Mit einem Stopp von Nord Stream würden bis zu 12 Milliarden Euro an Investitionen in die Pipeline und die Gasinfrastruktur zur Weiterleitung des russischen Gases in den Sand gesetzt sein.

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