Afghanistans kalter Krieger und sein Vermächtnis

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17-09-20 03:11:00,

Ahmad Shah Massoud gilt als Afghanistans Nationalheld. Er wurde am 9. September 2001, zwei Tage vor den Anschlägen auf das World Trade Center, getötet. Dies war gewiss kein Zufall. Massoud wird nicht nur in seiner Heimat, sondern auch im Westen verehrt. Doch de facto kann man ihn, genau wie die meisten anderen Kriegsakteure in Afghanistan, mit Fug und Recht als Kriegsverbrecher bezeichnen. Von Emran Feroz.

Die meisten Straßen sind abgesperrt, der Stau auf den befahrbaren Routen ist chaotisch. Einige Verkehrspolizisten versuchen, das Chaos zu kontrollieren. Kontrolle ist wohl das, was in diesem Land am meisten fehlt. Ansonsten ist auch an diesem nationalen Feiertag das Treiben in Kabul hektisch. Der Markt ist belebt, die zahlreichen Bettler sind dort, wo sie immer sind, während Soldaten mürrisch in der Hitze ausharren.

Es ist nicht irgendein Tag, sondern der Todestag von Ahmad Schah Massoud, Afghanistans offiziellem Nationalhelden, der im Jahr 2001, zwei Tage vor den Anschlägen des 11. September, getötet wurde. An seinem Todestag, der gleichzeitig den Beginn der sogenannten Märtyrerwoche darstellt, versammelt sich jährlich die afghanische Politelite in der Hauptstadt und hält Reden auf den einstigen Nordallianzführer, der – so schrieb es zumindest einst das US-amerikanische „Wall Street Journal“ – den Kalten Krieg gewann und später zum Protagonisten im Kampf gegen die Taliban wurde.

In Kabul hält sich die jährliche Begeisterung jedoch in Grenzen. Abgesehen davon, dass Massouds Milizen während des afghanischen Bürgerkrieges in den 90er Jahren für zahlreiche Massaker verantwortlich waren und im Kampf mit verfeindeten Fraktionen die afghanische Hauptstadt in Schutt und Asche legten, ist es zum Ritual seiner Anhänger geworden, an seinem Todestag teils schwer bewaffnet durch die Straßen der Stadt zu ziehen, um ihre vermeintliche Dominanz deutlich zu machen. Dies war auch am vergangenen Mittwoch der Fall, als junge Männer mitten in der Kabuler Innenstadt mit Gewehren und Schwertern aufmarschierten. Dabei sind Konterfeis Massouds omnipräsent. Wer nicht mitmacht, kann Probleme bekommen. Viele Autofahrer bringen das Bild des Kriegsherrn an diesem Tag nur an ihrem Auto an, um in Ruhe gelassen zu werden. Nicht selten kommt es zu Ausschreitungen mit Todesopfern.

Ein zweifelhafter Held

Am 9. September 2001 wurde Massoud, damals der gefeierte Führer der Nordallianz, in der nordafghanischen Provinz Takhar von zwei arabischen Selbstmordattentätern, getarnt als Journalisten, ermordet. Bis heute ranken sich um Massoud, auch “Löwe von Panjshir” genannt,

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