Das Flehen um Führung

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17-09-20 01:15:00,

Auf den ersten Blick wollen wir alle frei und selbstbestimmt leben. Wir hassen es, bevormundet, für dumm verkauft oder zu irgendetwas gezwungen werden. Wir sind der Meinung, dass wir selbst wissen, was gut für uns ist, und darüber, wie wir unser Leben gestalten, möchten wir bitteschön selbst entscheiden. Nicht wenige von uns haben ein Problem mit Autoritäten — insbesondere dann, wenn diese sich durch eklatante Inkompetenz auszeichnen, wie in diesen Tagen vielfach zu beobachten.

In der Realität ist das mit der Freiheit und der Selbstbestimmung allerdings oftmals gar nicht so trivial, wie wir uns das in unserer romantischen Vorstellung erträumen.

Denn „Freiheit“ heißt zwar einerseits, nichts tun zu müssen, was man nicht will. Aber es beinhaltet andererseits eben auch, alle Entscheidungen selbst treffen und dafür die volle Verantwortung übernehmen zu müssen. Und im Laufe eines Lebens kommt da durchaus eine ansehnliche Zahl von Entscheidungen mit großer Tragweite zusammen.

Vor allen Dingen mit der Verantwortung haben speziell wir Deutschen dann doch mehr Probleme, als wir zugeben wollen. Denn Verantwortlichkeit bedeutet eben auch, das Risiko einzugehen, Fehler zu machen — und sich dann nicht hinter irgendeiner Autorität verstecken zu können.

„Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen sich vor ihr fürchten“ (George Bernard Shaw).

Fehler machen, das ist jedoch für den perfektionistischen, fleißigen und gut erzogenen Deutschen ein Graus. Denn wer einen Fehler macht, hat versagt und wird in der Konsequenz geschimpft, ausgelacht oder gar bestraft. Und wenn es ganz dumm läuft, bereut man einen Fehler ein Leben lang. Zumindest ist das eine Assoziation, die im Unterbewusstsein vieler Menschen so abgespeichert ist und die Alarmglocke klingeln lässt, wenn wir uns auf unbekanntes Terrain wagen.

Also vielleicht doch lieber auf Nummer sicher gehen und andere entscheiden lassen?

Doch es ist nicht nur diese kindliche, ja schon fast lächerliche Angst davor, sich in irgendeiner Form zu blamieren, die uns davon abhält, wirklich Verantwortung für unser eigenes Leben zu übernehmen. Vielmehr ist es auch die dumpfe Gewohnheit, die uns immer wieder glauben lässt, dass es gut und richtig ist, wenn andere für uns entscheiden.

Einfach, weil wir es gar nicht anders kennen. Von klein auf haben wir gelernt, dass andere besser wissen, was gut für uns ist und, dass wir uns an die Regeln zu halten haben,

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