Das Rekordjahr

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17-09-20 03:15:00,

Wir leben zurzeit nicht nur in einer Welt der Extreme und der Superlative, wir befinden uns in einer historischen Ausnahmesituation, die die Welt so noch nicht erlebt hat.

Noch nie in der gesamten Geschichte von Wirtschaft und Gesellschaft hat es so viele Rekorde gegeben wie 2020. Noch nie sind so viele Produktionsstätten geschlossen und so viele Lieferketten unterbrochen worden. Noch nie hat es einen solchen Einbruch bei der Nachfrage nach Produktionsgütern und Rohstoffen gegeben.

Der Lockdown, den wir erlebt haben, ist der größte Wirtschaftsschock der Geschichte — und er ist nicht das Ergebnis von Kriegen, politischen Auseinandersetzungen oder Naturkatastrophen, sondern das Ergebnis bewusst herbeigeführter Entscheidungen von Regierungen — und zwar vor folgendem Hintergrund:

Wir haben zurzeit den weltweit höchsten Schuldenstand — 275 Billionen US-Dollar. Die Haushalts-, Unternehmens- und Staatsschulden haben sich damit seit 2006 verdoppelt.

Wir haben die niedrigsten Zinsen — und das seit seit 3000 Jahren. Noch nie in der Geschichte des Geldes hat es solch niedrige Zinsen wie heute gegeben. Wir haben es zurzeit mit der höchsten Zahl an Zombiefirmen zu tun — also Unternehmen, die aus eigener Kraft nicht mehr lebensfähig und auf Kredite und Anleihen — zumeist teure Ramschanleihen — angewiesen sind.

Wir haben es mit der höchsten Zahl an Insolvenzverschleppungen und der höchsten Zahl an faulen Krediten zu tun. Wir haben weltweit die höchste Zahl an Arbeitslosen und die höchste Zahl an gefährdeten Arbeitsplätzen. Und schließlich haben wir die höchste Zahl von Staaten in Not: Allein bis April 2020 haben 102 Staaten Nothilfe beim Internationalen Währungsfonds (IWF) beantragt.

Zudem haben wir zurzeit das größte Missverhältnis zwischen Finanzsektor und Realwirtschaft. Wir haben im Finanzsektor im März 2020 den heftigsten und schnellsten Aktienmarkteinbruch aller Zeiten lebt — die Kurse sind in wenigen Tagen stärker gefallen als beim großen Crash von 1929. Wir haben danach im April den schnellsten Aufschwung jemals erlebt. In der vergangenen Woche hat Apple als erstes Unternehmen der Welt einen Börsenwert von über 2 Billionen US-Dollar verzeichnet. Apple wurde 1976 gegründet und hat für einen Börsenwert von 1 Billion 42 Jahre gebraucht, die zweite Billion nun in zwei Jahren geschafft.

Bewirkt wurde das alles durch die größte Geldinjektion aller Zeiten. Allein die US-Zentralbank FED hat ihre Bilanz im April 2020 um 3 Billionen US-Dollar erweitert. Und das vor dem Hintergrund des längsten je registrierten Börsenaufschwungs von 2008 bis 2020.

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