Der Spaltungsversuch

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17-09-20 03:10:00,

Nachdem Nawalny in Berlin eingetroffen war, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis man ihn zum Novichok-Giftopfer erklären würde. Die Russophoben sind entzückt. Jetzt kann es keinen Zweifel mehr geben, was mit den Skripals passiert ist — und dass man Russland zu Tode isolieren und sanktionieren muss, und dass wir viele Milliarden in Waffen und Sicherheitsdienste investieren müssen. Außerdem die Überwachung im eigenen Land verstärken und abweichende Meinungen im Internet eliminieren. Des Weiteren ist jetzt klar, dass Trump eine russische Marionette ist und dass der Brexit von den Russen eingefädelt wurde.

Ich werde jetzt jeden Zweifel daran aushebeln, dass ich ein russischer Troll bin, indem ich die Frage: Cui Bono? stelle — Ben Nimmo von der „Integrity Initiative“ hat diese Frage ja als sicheres Zeichen für russische Beeinflussung identifiziert.

Ich möchte vorausschicken, dass ich keinerlei Probleme mit der Vorstellung habe, ein mächtiger Oligarch oder ein Organ des russischen Staates könnten versucht haben, Nawalny zu ermorden. Er ist nur ein kleiner Störenfried, hier im Westen viel berühmter als in Russland, aber solche relative Harmlosigkeit schützt in Russland nicht vor politischem Mord.

Schwierig finde ich es aber zu glauben, dass, wenn Putin oder andere sehr mächtige russische Akteure Nawalny tot sehen wollten und ihn in Sibirien angegriffen hätten, er heute lebendig in Deutschland sein könnte. Hätte Putin ihn töten wollen, dann wäre er tot.

Fangen wir mit der Angriffswaffe an. Eines wissen wir sicher über Novichok: Es scheint sich nicht besonders gut für Morde zu eignen. Die arme Dawn Sturgess — [eine britische Frau, die mit der Substanz in Berührung kam, Anmerkung des Übersetzers] — ist die einzige Person, die angeblich an Novichok gestorben ist, nach offizieller Darstellung eher zufällig. Beide Skripals haben Novichok überlebt, obwohl sie das Ziel der Angriffe waren. Wenn Putin Nawalny tot sehen wollte, hätte er etwas Bewährteres genommen — einen Kopfschuss oder ein Gift, das mit Sicherheit tötet.

„Novichok“ ist nicht der Name einer Chemikalie — es ist eine Klasse von chemischen Kampfstoffen, die extra so entwickelt wurde, dass man sie aus in Industrie und Haushalt üblichen Vorstufen improvisiert herstellen kann. Das macht diese Klasse geeignet für den Einsatz auf fremdem Boden, wo man nicht den fertigen Nervenkampfstoff mit sich herumtragen will, aber vielleicht die Zutaten vor Ort kaufen kann.

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