Die Rache der Ertappten

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17-09-20 01:29:00,

von Vijay Prashad

Am 7. September 2020 wird Julian Assange seine Zelle im Londoner Belmarsh-Gefängnis verlassen und an einer Verhandlung teilnehmen, die über sein weiteres Schicksal entscheidet. Nach einer langen Zeit der Isolation konnte er am 25. August 2020 endlich seine Partnerin treffen — Stella Moris — und seine zwei Söhne sehen — Gabriel (3 Jahre alt) und Max (1 Jahr). Nach diesem Besuch, berichtet Moris, schien es ihm seelisch sehr schlecht zu gehen.

Die Verhandlung, die Assange bevorsteht, hat nichts zu tun mit den Gründen für seine Verhaftung in der Londoner Botschaft von Ecuador am 11. April 2019. Damals wurde er verhaftet, weil er sich 2012 nicht den britischen Behörden gestellt hatte, die ihn an Schweden ausgeliefert hätten. In Schweden gab es damals Ermittlungen gegen Assange wegen angeblicher sexueller Vergehen, die im November 2019 eingestellt wurden. In der Tat hätte ihn die Regierung des UK auf freien Fuß setzen müssen, nachdem die schwedischen Behörden den Fall abgeschlossen hatten, aber das ist nicht geschehen.

Der wahre Grund für die Verhaftung war nie die Anklage in Schweden gewesen, sondern der Wunsch der US-Regierung, ihm in den USA den Prozess zu machen für eine Reihe anderer Anklagen. Am 11. April 2019 sagte ein Sprecher des britischen Innenministeriums:

„Wir können bestätigen dass Julian Assange wegen eines schwebenden Auslieferungsersuchens der USA verhaftet wurde. Er wird in den USA angeklagt wegen Vergehen im Zusammenhang mit Computern.“

Einen Tag nach der Verhaftung von Assange veröffentlichte die Aktionsgruppe „Article 19“ in einer Stellungnahme, dass die UK-Behörden zwar ursprünglich die Verhaftung mit der Verletzung von Kautionsauflagen gegenüber dem schwedischen Auslieferungsantrag begründet haben, es nun aber klar sei, dass das Auslieferungsgesuch der USA dahinter steckte. Die USA suchten Assange aufgrund einer Anklage wegen „konspirativen Eindringens in Computersysteme mit dem Ziel, das Passwort zu einem geheimen US-Regierungscomputer zu knacken“.

Assange soll der Whistleblowerin Chelsea Manning im Jahre 2010 geholfen haben, als diese dem Internetportal WikiLeaks — das von Assange geleitet wurde — einen explosiven Schatz an geheimer Information der US-Regierung zukommen ließ, der eindeutige Beweise für Kriegsverbrechen enthielt. Manning saß für diesen Akt sieben Jahre lang im Gefängnis, bis der damalige US-Präsident Barack Obama ihr den Rest der Strafe erließ.

Während Assange sich in der ecuadorianischen Botschaft befand und nun,

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