Kinderpornographie, Metzelder und das große Schweigen | Von Christiane Borowy | KenFM.de

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19-09-20 07:51:00,

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Der Fußballstar Christoph Metzelder, der sich wegen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornographischer Inhalte zur Zeit juristisch verantworten muss, hat vor Gericht eine „geständige Einlassung“ abgegeben. Das sollte allerdings in der Presse niemand verbreiten dürfen.

Ein Kommentar von Christiane Borowy.

Obwohl der Profi-Fußballer Christoph Metzelder eine solche „eingeständige Erklärung“ bei Gericht eingebracht hat und somit klar ist, dass er eben nicht unschuldig sein kann, ist die allgemeine Berichterstattung verhältnismäßig ruhig geblieben. Dabei hatte seinerzeit die Bildzeitung in erster Reihe dazu beigetragen, dass sich die Medien auf das Thema Metzelder stürzen. Damals hatte Kenfm darüber berichtet, dass trotz medialer Ausschlachtung des Themas die zentralen Fragen, zum Beispiel die nach sexuellem Psychotrauma und Opferschutz, oder gar größeren systematischen Zusammenhängen nicht gestellt würden (4). Daran hat sich auch ein Jahr später nichts geändert.

Die Unschuldsvermutung ist aufgehoben, wenn jemand, auch in Teilen, ein Geständnis ablegt – so argumentierte laut allgemeiner Berichterstattung das Gericht. Metzelder hätte gerne dem Amtsgericht Düsseldorf untersagen lassen, der Presse Auskünfte zu erteilen. Dieses hat jedoch Anfang dieser Woche entschieden, dass das öffentliche Interesse an dem Fall den Vorzug vor dem Persönlichkeitsschutz von Metzelder hat.

Mit dem besagten öffentlichem Interesse sollte allerdings nicht das öffentliche Interesse an Prominenten wie beispielsweise Oliver Pocher gemeint sein, der sich unter hoher medialer Aufmerksamkeit zu mehr oder weniger qualifizierten Positionierungen zur Person Metzelder hat hinreißen lassen, woraufhin dieser eine einstweilige Verfügung gegen Pocher einreichte, die jedoch abgelehnt wurde. Pocher hatte Metzelder laut Bildzeitung als „krankes Schwein“ bezeichnet (5).

Wer ist jedoch tatsächlich die Öffentlichkeit, deren Rechte über dem Persönlichkeitsrecht von Metzelder stehen und deren Interessen in der medialen Berichterstattung selten bis gar nicht angesprochen werden? Es sind die Betroffenen von Kinderpornographie, die traumatisierten Kinder und deren Familien.

Für die Betroffenen und deren Eltern, aber auch für eine empathische Gesellschaft könnte es interessant sein, dass der Fußballstar möglicherweise mit einer Geldstrafe das Vergehen, nicht Verbrechen, ausgleichen kann und dann angeblich nicht einmal vorbestraft ist (6). Und Geld ist für den Profi-Fußballer und Inhaber einer PR-Agentur mit Sicherheit kein Problem.

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