Klaus-Jürgen Bruder: „Partei ergreifen für diejenigen, die keine Stimme haben“

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19-09-20 08:01:00,

Die Intellektuellen können viel für eine Gesellschaft und die Demokratie leisten – vorausgesetzt, sie ergreifen Partei für die, die keine Stimme haben. Und vorausgesetzt, sie dienen sich nicht den herrschenden Eliten an. Im NachDenkSeiten-Interview rechnet der Psychoanalytiker Klaus-Jürgen Bruder mit den Intellektuellen unserer Zeit ab. Bruder, der als Vorsitzender der interdisziplinären Neuen Gesellschaft für Psychologie (NGfP) bekannt für seine herrschaftskritische Betrachtung unserer Gesellschaft ist, verdeutlicht: Viele Intellektuelle verstehen sich heute als Sprachrohr des Staates. Sie tragen, so Bruder, „das Selbstbild vor sich her, objektiv, unparteiisch zu berichten, für die Demokratie, gegen Ungerechtigkeit und Gewalt einzutreten“, aber, so Bruder weiter, „Ungerechtigkeit und Gewalt gibt es in den Augen dieser Medienintellektuellen (…) allerdings nur in anderen Ländern, und zwar vornehmlich in solchen, die nicht auf der Liste der Freunde der Bundesrepublik stehen: in Russland, in China, in Syrien, in Venezuela.“ Von Marcus Klöckner.

Herr Bruder, was sollten die Aufgaben von den sogenannten „Intellektuellen“ in unserer Gesellschaft sein?

Das ist tatsächlich die entscheidende Frage für den Anfang, die Sie stellen, lieber Herr Klöckner: die Frage nach den Erwartungen, die wir an die stellen, über die wir reden, über die wir nachdenken, denen wir Aufgaben zuschreiben. Aber auch die Frage nach demjenigen, der diese Erwartungen an die, über die er redet stellt, die Frage also nach dem „Wir“ der Erwartenden.

Wer könnten Intellektuelle sein, die man zurecht als solche bezeichnet?

Wahrscheinlich denken wir dabei an Noam Chomsky oder Jean Ziegler oder gar an Jean-Paul Sartre, der vom Intellektuellen erwartete, als Revolutionär zu handeln, oder an Peter Brückner, der als Hochschullehrer zugleich auch sein Recht als Bürger verteidigte, in politische Diskussionen kritisch einzugreifen. Von ihnen haben wir große Erwartungen über die Aufgaben der Intellektuellen geerbt: Sie sollen aufklären, indem sie berichten, sie sollen über Zusammenhänge aufklären, vor allen Dingen über verborgene Zusammenhänge, über verborgene Interessen, sie sollen nicht unparteiisch sein, sondern ihre Parteilichkeit zu erkennen geben, Partei ergreifen für diejenigen, die keine Stimme in der Öffentlichkeit haben, Partei ergreifen für das Ringen um eine menschlichere Gesellschaft, Stellung nehmen gegen diejenigen, die sich diesem Ringen in den Weg stellen, Stellung nehmen gegen Ungerechtigkeit, gegen Verbrechen, gegen Lügen, gegen die Zerstörung – nicht nur,

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