Die “Brandstifter von Moria” oder wie ein Feindbild konstruiert wird

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21-09-20 09:12:00,

Straße entlang des Flüchtlingscamps Moria. Archivbild (2017): Cathsign/CC BY-SA 4.0

Es sind nicht nur Ultrarechte, sondern auch die sogenannte Mitte, die sich daran beteiligt. Die EU-Staaten profitieren davon

In den letzten Monaten stagnieren rechte Parteien auch in Deutschland in der Wählergunst. Das wurde an dem Wahlergebnis der AfD von ca. 5 Prozent bei den Kommunalwahlen in NRW am 13. September deutlich. Analysten nennen als Gründe neben dem innerparteilichen Streit in der AfD auch den Bedeutungsverlust, den das Flüchtlingsthema in großen Teilen der Bevölkerung gerade in Zeiten von Corona erlitten hat.

Nach dem Feuer in Moria versuchen unterschiedliche rechte Gruppen und Medien mit einer Kampagne gegen die weitere Aufnahme von Geflüchteten wieder in die Offensive zu kommen. “Keine weiteren Flüchtlinge aus Moria aufnehmen”, lautet die Überschrift einer Petition der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit (JF), die in wenigen Tagen von über 20.000 Menschen unterschrieben wurde.

Die Bundesrepublik sollte gemeinsam mit der EU Griechenland bei der Versorgung der Flüchtlinge unterstützen und beispielsweise mit dem Technischen Hilfswerk Camps und Unterkünfte errichten, so die Forderung. In der Begründung werden die Bewohnerinnen und Bewohner des Lagers zu Brandstiftern erklärt.

Durch eine jetzige Aufnahme der Migranten aus Moria würde hingegen das fatale Signal in die Welt gesendet, dass es sich auszahlt, Lager in Brand zu setzen. Die Zerstörung von Camps in Griechenland darf nicht zum Freifahrtschein nach Deutschland werden.

Aus der Petition der Jungen Freiheit

Damit gibt die JF eine Argumentationslinie vor, die von unterschiedlichen Spektren der Rechten wiederholt wurden. Auf der Onlineplattform PI-News – viele der Autoren stehen dem rechten Flügel der AfD nahe -, werden die in der JF-Petition sachlich formulieren Thesen in klar hetzerischen Ton vertreten. “Willkommen in Deutschland, ihr Brandstifter” lautet ein Beitrag.

Auf dem Foto sind Geflüchtete zu sehen, die gegen ihre schlechten Lebensverhältnisse auf der griechischen Insel protestieren, leere Wasserflaschen zeigen und Deutschland auf selbstgemalten Schildern um Hilfe bitten. Obwohl auf dem Foto keine Brände zu sehen sind, heißt es in der Bildunterschrift: “Der Protest der Brandstifter des Lagers Moria hat sich gelohnt. Deutschland hilft.”

Neues rechtes Framing

In vielen weiteren Beiträgen auf rechten Webseiten wird die Formel von den Brandstiftern von Moria verwendet, die man nicht noch belohnen dürfe,

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