Lonza findet hochgiftiges Benzidin – und sagt es niemandem

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21-09-20 09:21:00,

Deponie Gamsenried, Lonza, infosperber, Altlasten, Benzidin
© SRF/«Schweiz aktuell» vom 11.10.2019

«Tatort» der Untätigkeit: Chemiemülldeponie Gamsenried bei Visp (VS).

Frank Garbely / 21. Sep 2020 –

Seit 2008 wusste Lonza, dass Benzidin aus ihrer Deponie Gamsenried ausläuft. Der Pharmakonzern hielt die Analyseergebnisse zurück.

Red.: Der Artikel entstand in Zusammenarbeit zwischen dem Journalisten und Dokumentarfilmer Frank Garbely sowie dem selbstständigen Geografen und Altlastenexperten Martin Forter, der auch als Geschäftsführer der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz amtet. Der Text erschien auch in der Fachzeitschrift der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz «Oekoskop».

Hier finden Sie den Zweittext.

Am 18. Januar 2008 treffen sich Vertreter des Pharmakonzerns Lonza und der Dienststelle für Umwelt des Kantons Wallis. Wichtigstes Traktandum: Die Chemiemülldeponie Gamsenried der Lonza AG oberhalb von Visp (VS). Zwei Wochen später schreibt Cédric Arnold (1), damals Chef der Walliser Dienststelle für Umwelt an Lonza: «Wie an der Sitzung vom 18. Januar besprochen», müsse Lonza herausfinden, welche Schadstoffe aus der Deponie Gamsenried das Grundwasser verunreinigten. Arnold verlangt zudem: «Falls» bei diesen Spezialanalysen «zusätzlich Stoffe nachgewiesen» würden, für die keine Grenzwerte bestehen, müsse Lonza solche herleiten. (2)

Benzidin taucht auf – und verschwindet

Für diese Spezialanalysen des Grundwassers bei Gamsenried engagiert Lonza das Interlabor Belp (BE) und das Labor der CIMO AG in Monthey (VS). Deren Analytiker nehmen die Proben vom Januar 2008 bis Januar 2009. CIMO findet auch Benzidin, eine Substanz, die beim Menschen Blasenkrebs auslöst.

Das Interlabor Belp und die CIMO AG schickten ihre Laborberichte dem Umweltlabor der Lonza. Angesichts der aufgeführten Benzidin-Funde in den Cimo-Ergebnissen 2008 müssten beim Pharmakonzern nun die Alarmglocken läuten. Doch nichts geschieht. Lonza begnügt sich damit, die Analyseergebnisse zur Auswertung an Professor Daniel Hunkeler weiter zu schicken. Hunkeler leitet das geologische Institut CHYN (3) der Universität Neuenburg, das immer wieder Aufträge der Lonza AG zur Chemiemülldeponie Gamsenried ausführt.

Die letzten Spezialanalysen lagen bereits 12 Monate zurück, als Hunkeler seinen Bericht der Lonza abgibt, die ihn bei der Walliser Dienststelle für Umwelt einreicht. Doch wer diese Auswertung vom März 2010 liest, sucht darin vergeblich nach der entdeckten, hochproblematischen Benzidin-Verschmutzung.

Recherchen von «Oekoskop» und Infosperber (4) zeigen jetzt: Zusammen mit Hunkelers Bericht schickte die Lonza der kantonalen Dienststelle für Umwelt die Original-Analyseberichte des Interlabor Belp von 2008 und der CIMO AG von 2009 mit.

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