Widerstand macht Laune

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22-09-20 07:21:00,

Es ist der Tag vor der großen Berlin-Demonstration rund um die Siegessäule. Captain Future steht am Brandenburger Tor und spricht mit Besuchern, die aus verschiedenen Regionen Europas gekommen sind. Mit seinem gelben Umhang und der gleichfarbigen Augenmaske ragt der 42-Jährige aus der Menge heraus. Wer ihn erblickt, sucht seine Nähe, um ein Foto zu schießen, ein paar Worte zu wechseln oder ihm einfach anerkennend die Hand zu schütteln.

Der Berliner DJ ist in der bundesweiten Demonstrationsbewegung zu einer festen Größe geworden. Seit Mai organisiert er die Freedom Parade in der Hauptstadt. Captain Future steht dabei die meiste Zeit auf einem fahrenden Transportwagen und heizt die mitlaufenden Demonstranten mit Musik an. „Eine Bewegung aus dem Volk heraus kann nur erfolgreich sein, wenn sie neben allem Ernst auch Spaß macht“, sagt er und bezieht sich auf das Buch „Wann wenn nicht wir?“, in dem erklärt wird, welche Mittel sich für einen gewaltfreien zivilen Ungehorsam eignen. Als besonders effektiv erweist sich laut Captain Future das Tanzen: „Es verbindet, hebt die Moral und ermöglicht, auf lockere Weise Emotionen und Botschaften zu transportieren.“

Bis der Wagen der Freedom Parade zu rollen anfing, vergingen jedoch einige Wochen. Auf der ersten Veranstaltung versammelte sich die Demonstrantengruppe noch auf dem Alexanderplatz an der Weltzeituhr. An jenem 16. Mai war es erstmals wieder erlaubt, eine Versammlung mit bis zu 50 Personen anzumelden. Die noch wenigen Teilnehmer standen auf einer abgegrenzten Fläche und bewegten ihre Körper zu Technobeats, die Captain Future an seiner Anlage mixte.

Schon damals war der DJ mit seiner gelben Tracht ein Blickfang für alle Passanten. Entworfen hatte er sie aber eigentlich für einen anderen Zweck. Der 42-Jährige veranstaltet bereits seit fünf Jahren Fetisch-Partys und gründete im letzten Jahr die Gruppe „Fetisch for Future“, die gemeinsam mit den Protestbewegungen „Fridays for Future“ und „Extinction Rebellion“ demonstrierte. Auf den zukünftigen Veranstaltungen wollte er in dieses Kostüm schlüpfen, um in Superhelden-Manier für Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu kämpfen. Doch dann kamen die Corona-Maßnahmen, mit denen auch Demonstrationen verboten wurden.

Diese und andere Grundrechtseinschränkungen trieben die Leute trotzdem auf die Straßen. Von Woche zu Woche kamen immer mehr Menschen zum Rosa-Luxemburg-Platz, wo sie lauthals ihren Unmut kundtaten. Dort hatte auch Captain Future seinen ersten Auftritt — allerdings einen sehr kurzen. Weil die sogenannte Hygienedemo damals auf Grundlage der Infektionsschutzverordnung illegal war,

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