Das Schweigen der Künstler

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23-09-20 09:19:00,

„Aber die Verschwörungstheorien, die von einem großen Plan reden, das Volk zu entmündigen und zu lenken, halte ich für totalen Quatsch. Angela Merkel ist eine nüchterne Frau, keine große Rednerin. Sie beurteilt die Situation naturwissenschaftlich, das ist angenehm. Sie wird an einer raschen Beendigung der Beschränkungen interessiert sein“, so der Sänger und einst „Niedermacher von Osnabrück“ genannte Heinz Rudolf Kunze, dessen Prognose — um es konziliant auszudrücken — nicht zu 100 Prozent zutraf. Aber immerhin ist er ein treffendes Beispiel für sich als zeitkritisch gebende Künstler, die, wenn es darauf ankommt, nicht die unangepassten, eigenwilligen und nonkonformistischen Zeitgenossen sind, welche sie gerne darstellen.

Doch Kunzes Aussage ist wohl tatsächlich kein Lippenbekenntnis, um nicht negativ auszufallen, sondern er scheint von der Richtigkeit der Killervirus-Sage überzeugt. Und deshalb wäre es auch zu kurz gedacht, hier die Künstler eilig zu verurteilen und kategorisch mehr Engagement und Teilnahme zu fordern. Neben Kunze zweifeln viele nicht an der Richtigkeit dessen, was als „Narrativ“ in den Medien umgeht und beteiligen sich bedauerlicherweise auch an der ausgedehnten Verleumdung der Kritiker als „Corona-Leugner“ und „Aluhüte“. Andere vermeiden es, sich in die Thematik zu vertiefen. Weitere betrachten die Situation tatsächlich kritisch und misstrauisch.

Allen gemein ist die Sorge um die Existenz — im Allgemeinen, nicht nur die künstlerische. Denn außer wenigen Großverdienern, die sich eine längere Auszeit leisten können, traf der „Lockdown“ alle schwer in unterschiedlichen Ausprägungen — von herben finanziellen Verlusten bis zur Vernichtung.

Der eingangs erwähnte Heinz Rudolf Kunze zitierte auch seinen Musikerkollegen Purple Schulz, der ihm gesagt habe: „Nächstes Jahr um diese Zeit wird es die Hälfte von uns nicht mehr geben.“ Um der minimalen Chance willen, es womöglich doch zu schaffen und zu überleben, will kein Künstler es riskieren, in den medialen Schredder zu geraten und als „Covidiot“, „rechter Schwurbler“ oder „krude Theorien verbreitender Verschwörungstheoretiker“ unten wieder rauszukommen, was zweifellos gleichbedeutend wäre mit dem Untergang.

Bodo Schiffmann hatte es nur gut gemeint. Insbesondere zum Wohle der Kinder. In seinem Video „Corona 120“ rief der Arzt aus der Schwindelambulanz zu Sinsheim zwei seiner Lieblingsmusiker, Udo Lindenberg und Wolfgang Niedecken von BAP, auf, „stellvertretend für andere Künstler endlich Position“ zu beziehen, da „wir hier gerade auf dem Weg sind, eine DDR 2.0 aufzubauen“ (1). Schiffmann zitierte aus Lindenbergs „Wozu sind Kriege da?“ und „Zehnter Juni“ von Niedecken und stellte an beide Künstler gerichtet fest: „Ihr wart nie Mainstream.“

Da hat Schiffmann sich gewaltig getäuscht.

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