NZZ schreibt mit fragwürdigen Grafiken eine zweite Welle herbei

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23-09-20 09:13:00,

Zwar steigen die «Fallzehlen» (orange) wieder an, doch von einer zweiten Welle kann man nicht reden. © nzz

Urs P. Gasche / 23. Sep 2020 –

Wegen Corona kommen heute nur noch wenige ins Spital oder sterben. Doch findet man mit mehr Tests mehr Fälle (fast) ohne Symptome.

Etwas vorschnell titelte die NZZ am 12. September «Die zweite Corona-Welle ist da». Optisch illustrierte sie diese Aussage mit einer ganzen Reihe eindrücklicher Grafiken mit Fall- und Todeszahlen verschiedener Länder. Eine weitere Grafik zeigte alarmierend die «Corona-Fälle» im August 2020 in der Stadt Zürich im Vergleich zu den Fällen im März/April. Was optisch ins Auge fiel, hat die NZZ mit der aufschreckenden Überschrift aufgenommen:

«Fast so viele Corona-Fälle in der Stadt Zürich wie im März»

Tatsächlich scheint diese NZZ-Grafik die Darstellung zu bestätigen, der Stadt Zürich drohe eine zweite Welle, die bald das Ausmass der ersten Welle erreicht. Doch dies ist aus folgenden Gründen eine Irreführung:

1. Es handelt sich nicht um einen Vergleich der an Covid-19 Erkrankten, sondern um die Zahl der positiv getesteten Virusträger.

2. Ein Vergleich der Hospitalisierten und der Todesfälle zeigt schnell, dass von einer zweiten Welle kaum die Rede sein kann.

3. Im Frühjahr wurden vorwiegend Menschen mit Krankheitssymptomen getestet, so dass viele der «Fälle», also der positiv Getesteten, auch krank waren oder wurden. Dagegen wurden im August viel mehr Menschen ohne oder mit nur ganz leichten Symptomen positiv getestet. Ein grosser Teil von ihnen war oder wurde nie krank. Obwohl man die Entwicklung und Schwere einer Epidemie gemeinhin an den Erkrankten misst, publizieren heute Behörden und Medien meist an erster Stelle die Zahl der positiv getesteten Menschen.

4. Die Zahl der Tests hat seit März/April nach Angaben des BAG um mindestens 70 Prozent zugenommen. Folge: Mit mehr Tests findet man auch mehr positive «Fälle», weil es eine erhebliche Dunkelziffer von symptomfreien oder symptomarmen Angesteckten gibt.

5. Je mehr Menschen ohne Symptome man testet, desto stärker fallen die fälschlicherweise positiv Getesteten ins Gewicht.

Auf Anfrage von Infosperber bestätigt das Statistische Amt des Kantons Zürich: «Der grösste Unterschied zwischen März und August besteht wohl darin,

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