Vom Talent, sich dumm zu stellen. Von Michael Ewert

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23-09-20 08:22:00,

Vorbemerkung: Die NachDenkSeiten bringen diesen satirisch angelegten Denkanstoß, weil damit Hintergründe einer wichtigen Affäre, der handelnden Personen und der medialen Behandlung des Themas gut sichtbar werden. Albrecht Müller

In einer der nicht von ungefähr Talk-Show genannten TV-Sendungen („Anne Will“) wurde am 6. September der Alibi-Gast mit der abweichenden Meinung [*] von den anderen Teilnehmern harsch zurechtgewiesen. Jürgen Trittin fiel gar aus der Rolle.

Es ging um das so ziemlich unzuverlässigste Kampfgift der Welt, das berüchtigte Nowitschok, und den größten Tollpatsch unter den Machthabern, Wladimir Putin. Seine Rolle als chronischer Versager könnte einer Comedy-Serie entnommen sein. Schon 2018 schafften es die Skripals in England nach Kontakt mit einem Stoff, der menschliches Leben gemäß werksseitiger Anpreisungen nach nur flüchtigem Kontakt binnen Sekunden beenden soll, von der kontaminierten Türklinke ihres Hauses bis zu einer weit entfernten Parkanlage. Dort fand man sie auf einer Bank bewusstlos vor. Nicht einmal, dass sie schließlich spurlos verschwanden, kann sich Putin an seine Fahnen heften. Das war das Werk britischer Geheimdienste, von denen er einiges lernen könnte. Man denke an den einzigen Auftritt der Skripals nach ihrer Rettung: In einem Video leiert die Tochter wie unter Drogen stehend eine Erklärung herunter. Danach war Schluss!

Beim jetzigen Fall Navalny hat der Dilettantismus neue Höhen erklommen. Man greift sich einen Politiker der Opposition, der Putin soviel Kopfschmerzen bereitet wie ein Fahrrad, das in einem Moskauer Vorort umfällt. In einem Flugzeug treten bei ihm Vergiftungserscheinungen auf. Na gut, könnte man noch sagen, manchmal klebt die Seuche am Fuß und nichts klappt. Aber wieso hat man den Mann überhaupt ins Flugzeug steigen lassen? Ein Flugzeug ist ein öffentliches Verkehrsmittel. Öffentlich! Im Klartext: Das Ding kommt irgendwann an, und dann weiß Gott und die Welt, dass der eine Passagier, der nicht aussteigt, tot ist.

Was sich anschließend abspielte, kann nur so interpretiert werden, dass Russland drauf und dran ist, aus dem Leim zu gehen. Die eine Hand wusste nicht mehr, was die andere tat, und diese andere ließ das Flugzeug in Omsk zwischenlanden, den Patienten ins Krankenhaus bringen und von den dortigen Ärzten retten. Das war nicht alles. Jetzt verlor man völlig die Nerven und kümmerte sich nicht um die mit Nowitschok beschmierte Wasserflasche, die dann von einer „Begleiterin“ Navalnys, der (nicht einmal vernommenen) britischen Staatsangehörigen Maria Pevchikh,

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