Beispiel Japan: Ist die Forderung nach einem Friedensvertrag ein demokratisches Thema oder was für rechte Spinner? | Anti-Spiegel

beispiel-japan:-ist-die-forderung-nach-einem-friedensvertrag-ein-demokratisches-thema-oder-was-fur-rechte-spinner?-|-anti-spiegel

24-09-20 07:11:00,

In Deutschland werden Menschen die einen Friedensvertrag fordern, als rechte Spinner dargestellt. Dass die Frage aktuell ist, zeigt ein Blick nach Japan, wo der Abschluss eines Friedensvertrages Teil der Regierungspolitik ist. Und zwar aus gutem Grund.

Japan und Deutschland verbindet mehr, als man auf den ersten Blick glaubt. Sie verbindet die Tatsache, dass sie den Zweiten Weltkrieg verloren haben und bis heute de facto besetzte und nicht souveräne Staaten sind. Daran kann nur der Abschluss eines Friedensvertrages etwas ändern. Diese Forderung wird in Deutschland – ganz anders, als in Japan – jedoch als Spinnerei rechter Verschwörungstheoretiker dargestellt.

In Japan ist die Lage anders, da ist die Forderung nach einem Friedensvertrag Teil der offiziellen Regierungspolitik, zumindest, soweit es Russland betrifft. Das Thema gegenüber den USA anzusprechen, traut sich die japanische Regierung (bisher) nicht. Aber der Reihe nach. Die Frage des Friedensvertrages in Japan

Im Gegensatz zu Deutschland steht für Japan nicht nur ein Friedensvertrag mit den USA auf dem Programm, sondern derzeit vor allem mit Russland, vor allem deshalb, weil auch Russland – im Gegensatz zu den USA – einen solchen Vertrag möchte. Das vordergründige Problem sind die Kurilen-Inseln. Diese Inseln hat die Sowjetunion nach dem Krieg beansprucht und übernommen. Japan betrachtet sie immer noch als sein Territorium und will sie zurückbekommen. Das macht die Frage eines Friedensvertrages zwischen Russland und Japan so schwierig.

Bei Deutschland wäre es anders, denn Deutschland hat keine territorialen Forderungen. 70 Jahre nach der Vertreibung der Deutschen aus den alten deutschen Ostgebieten ist die Frage nicht mehr aktuell und sie wäre in der Praxis ohne ethnische Säuberungen auch gar nicht umsetzbar. Das kann aber niemand wollen, denn es würde nur zu neuer Ungerechtigkeit und zu neuer Kriegsgefahr in Europa führen.

Da weder Russland noch Deutschland aus dem Krieg resultierende Reparationsansprüche haben, könnte man morgen einen Friedensvertrag zwischen Deutschland und Russland unterschreiben, denn es gibt keine Streitpunkte.

Das ist in Japan wegen der Kurilen anders. Trotzdem – oder vielleicht auch genau deswegen – ist das Thema eines Friedensvertrages in Japan hochaktuell. Und auch Russland ist daran sehr interessiert. Verhandlungen darüber laufen seit Jahrzehnten, als die Länder in den 1950er Jahren vor einer Einigung standen, haben die USA den Prozess allerdings gestoppt, woraufhin er lange auf Eis lag.

Das hat sich vor allem unter dem gerade abgetretenen japanischen Premierminister Abe und Putin geändert.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: