Bestrafe Einen, erziehe Hundert. Die Wikipedia-Kampagne gegen den Biologen Clemens Arvay

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24-09-20 11:40:00,

Vielen Menschen gilt die Wikipedia immer noch als seriöses, neutrales Nachschlagewerk. Dass dies vor allem auf den geistes- und politikwissenschaftlichen Bereich der deutschsprachigen Wikipedia schon lange nicht mehr zutrifft, sollte aufmerksamen Lesern der NachDenkSeiten bereits bekannt sein. Zur Verteidigung der Wikipedia wurde bislang stets angeführt, dass die Qualität auf den naturwissenschaftlichen Themenfeldern immer noch akzeptabel sei; doch dieses Urteil muss nun auch revidiert werden. Ein erschreckendes Beispiel für den Missbrauch der Online-Enzyklopädie als ein Werkzeug für Rufmord und interessengeleitete Meinungsmache liefert die aktuelle Kampagne gegen den österreichischen Biologen Clemens Arvay. Der hatte sich in jüngster Vergangenheit mehrfach kritisch zu den verkürzten Zulassungsverfahren bei der Entwicklung der Corona-Impfstoffe geäußert. Das gefiel einigen Wiki-Aktivisten offenbar gar nicht. Von Jens Berger

Um möglichst schnell einen Impfstoff gegen Covid-19 auf den Markt zu bringen, wurden weltweit die gängigen Zulassungsverfahren verkürzt, oder wie man es wissenschaftlich korrekt nennen würde, „teleskopiert“. Darauf haben auch die NachDenkSeiten kritisch hingewiesen und dabei unter anderem auch ein Interview mit dem österreichischen Biologen Clemens Arvay verlinkt. Seitdem hat Arvay seine Kritik in zahlreichen weiteren Fachpublikationen, Interviews und Videos auf seinem eigenen YouTube-Kanal verfeinert und ergänzt. Inhaltlich sind diese Beiträge äußerst empfehlenswert und decken sich mit der Kritik des angesehenen amerikanischen Genetikers und Molekularbiologen William Haseltine. Auch der bekannte deutsche Virologe Alexander Kekulé äußerte in seinem Podcast beim MDR mehrfach (z.B. in Folge 105) die Kritikpunkte, die auch Arvay anführt.

Doch um Inhalte geht es bei der stellenweise hysterisch geführten Debatte zu Corona offenbar nicht. Kaum hatten sich Arvays Beiträge in Wort und Bild verbreitet, entflammte auf seinem Eintrag in der Wikipedia ein sogenannter „Edit-War“, bei dem sich vor allem zwei Wiki-Aktivisten besonders hervortaten. Wer sich den Verlauf der Änderungen in Arvays Eintrag und die begleitende Debatte anschaut, kann da kaum an einen Zufall glauben. Generalstabsmäßig wurde eine Kampagne lanciert, deren Ziel ganz offensichtlich der Rufmord und die Zerstörung der Glaubwürdigkeit des Biologen ist, der nun laut Wikipedia noch nicht einmal mehr als „Biologe“ bezeichnet werden soll. Ein vollkommen absurder Vorgang, da bereits zwei anerkannte Professoren in schriftlichen Stellungnahmen (hier und hier) den Wiki-Aktivisten versichert haben, dass Arvay als Biologe bezeichnet werden kann und sogar die ehemalige Fachbereichsleiterin der Wiener Uni,

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