Murks statt Marx

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24-09-20 07:25:00,

In einem auf zwei Ausgaben verteilten Beitrag mit den Titeln „Block an der Macht“ sowie „Geschenke und Brosamen“ wagt die junge Welt sich an das Thema „Klassenkämpfe in Deutschland während der Coronakrise“. Dies ist ein Nachdruck aus der sich immer noch „Probleme des Klassenkampfes“ (Prokla) nennenden Zeitschrift.

Endlich! — freut man sich und hofft darauf, dass jemand sich analytisch mit dem theoretischen und politischen Desaster der Linken auseinandersetzt, dass die junge Welt aus ihrer Verblendung erwacht. Aber nein, was wird uns geboten? Ein paar dürre Auszüge aus einem Grundkurs „Einführung in den Marxismus“, natürlich nur der halbe Marx. Der Marx der „Klassenkämpfe“, der „politische Marx“ fehlt vollkommen: Der Staat, seine Rolle in der Austragung der Klassenkämpfe ist vollkommen ausgeblendet.

„Politik zugunsten der Kapitalisten“, so lautet der Untertitel des zweiten Teils des Beitrags. — Weiß Gott, was für eine umstürzende Erkenntnis! Diese wird natürlich im ersten Teil umständlich vorbereitet mit längeren Ausführungen über „Klassen, Klassenfraktionen“ und der unwiderlegbaren Behauptung:

„Klassenkampf findet nicht nur statt, wenn irgendwo gestreikt oder demonstriert wird. Vielmehr ist der Gesamtprozess der kapitalistischen Produktion und Reproduktion ein Prozess des Klassenkampfes.“

Diese unwiderlegliche Formel wird aber dann zum Sprungbrett für die nächsten Behauptungen:

„Wir sehen immer nur die Spitze des Eisbergs. Der größte Teil des Klassenkampfes findet im alltäglichen Kleinkrieg am Arbeitsplatz statt, in der ‚verborgenen Stätte der Produktion‘ (Marx). Aber auch von den Interaktionen zwischen den herrschenden Klassen und dem Staatsapparat, in denen sich der ‚Block an der Macht‘ (Poulantzas) formiert (1), erfahren wir nur wenig.“

Ja, vom Klassenkampf erfahren wir nur wenig! Was ist das für ein Klassenkampf, von dem wir nur wenig erfahren? Oder klopft hier die Verschwörungstheorie an die Tür?

Und die Rolle der Medien? Um ihre entscheidende Rolle in der — Coronakrise genannten — Inszenierung ganz zu sehen, bedarf es keinerlei Verschwörungstheorie. Sie, die Medien, führen tagtäglich vor, was sie tun. Ihre Wirkung hängt ja davon ab, dass wir es sehen, dass wir davon erfahren, was sie berichten.

Weiter geht es mit: „Für die Verdichtung der Klassenkämpfe im Staat spielen intermediäre Organisationen wie Wirtschaftsverbände, Gewerkschaften und Parteien eine zentrale Rolle.“ Wieder fehlen die Medien als „intermediäre Organisation“!

Ich gehe davon aus, dass dieses Ausblenden eines zentralen Agenten des Klassenkampfes damit zu tun hat,

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