Das Halbtagsschulsystem in Österreich konserviert eine Bildungsungleichheit

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25-09-20 04:15:00,

Halber Tag, doppelter Nachteil?

+++Das Halbtagsschulsystem in Österreich konserviert eine Bildungsungleichheit. Warum Ganztagsschulen bessere Lösungen für die heutigen Bildungsherausforderungen bieten.+++

von Elke Larcher und Oliver Gruber / A&W blog

bildung_reformpaedagogik_schulpaedagogik_schulbildung_bildungssystem_demokratische_freie_aktive_schule_paedagogik_bildungsstress_kritisches_netzwerk_kinder_summerhill.jpg Die jüngste Präsentation des Integrationsberichts sowie des OECD-Berichts »Education at a glance« (»Bildung auf einen Blick 2020«) haben erneut die Wichtigkeit ganztägiger schulischer Formate deutlich gemacht.

Von der OECD als zentrales Instrument zur Bekämpfung von Bildungsungleichheit unterstrichen, empfiehlt auch der ExpertInnenrat für Integration der Bundesregierung Ganztagsschulen als eine Antwort zur Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund aus sozioökonomisch benachteiligten Elternhäusern – die Integrationsministerin winkt bei dem Thema jedoch bislang ab.

Dabei kann gerade ein ganztägiges Schulformat vieles von dem leisten, was die Politik gerne Eltern zuschiebt. Aus diesem Anlass diskutiert der folgende Beitrag die bildungs- und integrationspolitischen Vorteile ganztägiger Schulformen.

► Die Halbtagsschule ist ein Kind ihrer Zeit

Mit der Einführung der Schulpflicht 1774 unter Maria Theresia in Österreich ließ das halbtätige Format genug Zeit, damit etwa die bäuerlichen Kinder nachmittags noch am Bauernhof der Eltern mitarbeiten konnten. Dass die Halbtagsschule den aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen aber kaum mehr ausreichend begegnen zu vermag, liegt an ihrer grundlegenden Konstruktion. Denn ihr Fundament ruht auf Familien- und Erwerbsstrukturen, die für immer weniger Familien zutreffen, und so ist ein immer größerer Anteil der Familien von den Nachteilen der Halbtagsschule betroffen. (s. »Wann läuten die Schulglocken in Europa?«).

Der gute Schulerfolg wird in einem Halbtagsschulsystem in erheblichem Maße ins Private verlagert und hängt folglich maßgeblich von den familiären Ressourcen der SchülerInnen ab – Elternhäuser, die über ausreichend Zeit, Geld und Bildung verfügen, können ihr Kind eher ans Lernziel begleiten, ihm die nötige Nachhilfe finanzieren oder ihm außerschulische Aktivitäten zur Förderung seiner Talente ermöglichen als jene, denen es an diesen Ressourcen (im schlechtesten Fall an allen zugleich) mangelt. Gerade unter letzteren sind einzelne Zuwanderungsgruppen überdurchschnittlich stark vertreten, was auch die integrationspolitische Dimension der Halb- und Ganztagsschule deutlich macht.

Das Halbtagsschulsystem konserviert eine Bildungsungleichheit und bietet benachteiligten SchülerInnengruppen deutlich weniger Chancen, die Schule erfolgreich zu durchlaufen (siehe Diagramm), was auch weniger Chancen auf einen gut bezahlten Job, Gesundheit und Zufriedenheit als Erwachsene nach sich zieht. Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch wirtschaftlich untragbar, für die Betroffenen wie für die Gesellschaft insgesamt.

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