Demokratie auf Abwegen

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26-09-20 08:45:00,

„Eigentlich wird ein Mensch ja in ein Amt berufen, um dort den Willen derer zu vertreten, die ihn dafür ausgewählt haben und ihn für diesen Job bezahlen. Keiner Firma würde es einfallen, einen Prokuristen einzustellen und ihm dann zu überlassen, was er auf diesem Posten tun will“ (1). So schrieb es der libertäre Philosoph Horst Stowasser in seinem Standardwerk „Anarchie!“ Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, dass der Staat für die Menschen da ist, nicht die Menschen für den Staat. Auch wenn „Staatsdiener“ uns dies am liebsten vergessen machen wollen, weil es eben bequemer ist und machtbewussten Menschen schmeichelt, über Untertanen zu verfügen.

Der Staat erhöht sich gern zu einem mythischen Überwesen, dem der Nimbus des Unfehlbaren und Unantastbaren anhaftet. Besonders deutlich wurde dies in Monarchien, wo Regenten dem Alltag der Menschen völlig entrückt sind. Reste diese Vorstellung von „Gottesgnadentum“ haftet auch noch unseren höheren Verwaltungsangestellten an — dem Bundespräsidenten, der Kanzlerin und dem Kabinett vor allem —, die es lieben, bei Festakten mit Fahne, Soldatenspalier und Humtata ihre Macht zu zelebrieren.

Führen wir das Verhältnis zwischen Staat und Bürgern auf seinen nüchternen Kern zurück. Denken wir an die Funktion einer Hausverwaltung in einer Wohnanlage. Es kommt hier ganz darauf an, an welche Firma Sie geraten. Manche geben sich betont bescheiden. In manchen Wohnkomplexen bildet die Hausverwaltung jedoch eine Art Staat im Staat. Sie wird ja von den Wohnungseigentümern und Mietern eingesetzt und bezahlt, hätte somit eine dienende Funktion. Mancherorts gebärdet sie sich jedoch als Obrigkeit. Im Extremfall wird der Hausmeister zum gefürchteten Kontrolleur und Vorgesetzten in immer mehr Alltagsfragen. Bittet man ihn um einen Gefallen, hat er keine Zeit oder ist nicht zuständig. Dafür erwartet er beim Hinweis auf kleinste Ordnungsverstöße Gehorsam. Widerstrebenden wird rasch mit Sanktionen gedroht, bis zur Ausweisung aus der Hausgemeinschaft. Gleichzeitig erhöht die Hausverwaltung jedes Jahr die Gebühren. Die Wohnungseigentümer und Mieter bezahlen somit ihren eigenen angemaßten Vormund.

Im schlimmsten Fall ähnelt der Staat einer solchen übergriffigen Hausverwaltung. Regierung und Verwaltung saugen dann andauernd Aufmerksamkeit, zwingen uns, ängstlich ihren Willen zu erkunden und über die jeweils aktuellen Vorschriften und Verbote lückenlos informiert zu sein, um der sonst unweigerlich drohenden Bestrafung zu entgehen.

Während der virulenten Corona-Hysterie wird unsere Aufmerksamkeit in besonders aufdringlicher Weise von Staatsorganen vereinnahmt, führt man unseren Geist gleichsam beständig an der kurzen Leine Gassi.

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