Stella Morris, Assanges Partnerin, appelliert an australische Regierung

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27-09-20 10:55:00,

Von
Oscar Grenfell

26. September 2020

In einem Appell, den die meisten australischen Medien kommentierten, forderte Stella Morris, Lebensgefährtin von Julian Assange und Mutter seiner beiden Kinder, die australische Regierung auf, ihren Verpflichtungen nachzukommen und den WikiLeaks-Verleger, Journalisten und australischen Staatsbürger zu verteidigen. Die Regierung müsse seine Auslieferung an die USA verhindern und seine Freiheit sicherstellen, forderte sie.

Der Sydney Morning Herald und die Age, zwei der meistgelesenen Tageszeitungen des Landes, brachten ein kommentiertes Interview mit Morris und kündigten es auf ihren Titelseiten mit der Überschrift an: „Assanges Verlobte bittet Scott Morrison, die Sicherheit der Familie zu gewährleisten.“ Dazu brachten sie ein Foto von Morris mit den beiden kleinen Kindern.

Der Artikel ist einer der seltenen Fälle, in denen ein Sympathisant von Assange in den bürgerlichen australischen Medien zu Wort kommt. In dem Text kamen die politisch motivierten und Demokratie-feindlichen Auswirkungen zur Sprache, die seine Auslieferung an die USA hätte. Dort droht ihm lebenslange Haft, weil er Kriegsverbrechen aufgedeckt hat. Im Artikel werden die offiziellen Verleumdungen widerlegt, welche die breite öffentliche Unterstützung für den WikiLeaks-Herausgeber neutralisieren sollen.

Assange und Morris in der ecuadorianischen Botschaft in London (Foto: WikiLeaks)

Seitdem die britischen Auslieferungsanhörungen seit Anfang des Monats wieder laufen, wird Assanges kritische Situation mit bleiernem Schweigen übergangen. Die großen Zeitungen haben trotz ihres Bekenntnisses zur Pressefreiheit noch kein einziges Mal zu seiner Verteidigung aufgerufen, und Assanges Name kommt keinem einzigen liberal-nationalen Regierungsmitglied oder prominenten Vertreter der Labor-Opposition über die Lippen.

Morris verurteilte in dem Interview die Weigerung der australischen Regierung, Assange zu verteidigen. „Worum er gebeten hat, und worum ich [Premierminister] Scott Morrison direkt gebeten habe, ist politische Intervention, ein politisches Eingreifen, denn das ist ein politischer Fall“, erklärte sie und fügte hinzu, es sei „offen gesagt, sehr enttäuschend“, dass die Regierung ihrer Pflicht zur Verteidigung Assanges in keiner Weise nachkomme.

Wichtig war, dass Morris diese Ablehnung in einen breiteren Kontext stellte. Der Sydney Morning Herald berichtete, Morris „befürchte, dass die Gefangenschaft ihres Verlobten Teil sei eines weit verbreiteten Musters zunehmender Angriffe auf die Meinungsfreiheit in der gesamten westlichen Welt“.

Morris bezog sich insbesondere auf beispiellose Razzien der australischen Bundespolizei, die im Juni letzten Jahres die Sendeanstalt der Australian Broadcasting Corporation in Sydney und das Haus der politischen Redakteurin von Newscorp,

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