Wie in Russland über die Kampfhandlungen zwischen Aserbeidschan und Armenien berichtet wird | Anti-Spiegel

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28-09-20 07:30:00,

Die Kampfhandlungen zwischen Aserbeidschan und Armenien geben einige Rätsel auf. Derzeit sind die Medienberichte in Ost und West weitgehend identisch, was bei solchen Konflikten die Ausnahme ist. Woran könnte das liegen?

Ich werde hier zum Vergleich mit der Berichterstattung in Deutschland einen Bericht des russischen Fernsehens übersetzen. Vorher will ich jedoch ein paar Gedanken zu dem Konflikt loswerden, der derzeit einige Rätsel aufgibt.

Es ist rätselhaft, dass sich russischen und westliche Berichte zu dem Konflikt bisher kaum unterscheiden, anscheinend hat der Ausbruch der Kämpfe alle Seiten überrascht und niemand weiß bisher, auf wessen Seite man sich stellen sollte. Das einzige Land, das eindeutig Stellung bezogen hat, ist die Türkei, die sich auf die Seite der aserbeidschanischen Glaubensbrüder und gegen die christlichen Armenier gestellt hat. Aber das ist nicht überraschend, denn das Verhältnis zwischen Armeniern und Türken ist traditionell schlecht, wie der ewige Streit um den möglichen türkischen Genozid an Armeniern vor hundert Jahren zeigt.

Die Situation vor Ort ist folgende: Die überwiegend armenisch besiedelte Region Bergkarabach, die aber völkerrechtlich zu Aserbeidschan gehört, hat sich vor über 30 Jahren von Aserbeidschan losgesagt. Da ich bei solchen Fragen ein Anhänger des Selbstbestimmungsrechts der Völker bin, wäre ich für ein Referendum unter Aufsicht der UNO, damit die Menschen in Bergkarabach entscheiden können, ob sie zu Aserbeidschan oder zu Armenien gehören, oder ob sie einen eigenen Staat gründen wollen. Aber obwohl in der Region nach einigen Jahren Krieg Anfang der 1990er Jahre seit 1994 ein Waffenstillstand herrscht, hat niemand eine solches Referendum voran getrieben.

Bisher ist es schwer einzuschätzen, wer die aktuellen Kämpfe verursacht hat. Grundsätzlich haben Armenien und die international nicht anerkannte Republik Bergkarabach keinen Grund dafür, denn sie stellen – außer der Anerkennung der Loslösung Bergkarabachs von Aserbeidschan – keine Forderungen an Aserbeidschan. Umgekehrt ist es anders, denn Aserbeidschan fordert, die Region solle endlich unter aserbeidschanische Kontrolle kommen.

Das spricht dafür, dass Aserbeidschan nun die Entscheidung herbeiführen möchte und die Kampfhandlungen begonnen hat. Das bestätigen auch Aussagen des aserbeidschanischen Präsidenten, die in einigen Nachrichtenagenturen zitiert wurden, man werde Bergkarabach nun wieder ins Land eingliedern. Auch die Türkei fordert das und Erdogan spricht Aserbeidschan seine Unterstützung aus. Laut unbestätigten Medienberichten hat die Türkei bereits im Vorwege 4.000 Kämpfer aus Syrien nach Aserbeidschan gebracht, die nun an den Kämpfen beteiligt sind.

All das ist nicht bestätigt,

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