Aserbaidschan und Armenien am Rande des Abgrunds

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29-09-20 03:05:00,

Amalia van Gent / 29. Sep 2020 –

Es ist die schwerste Eskalation zwischen Aserbaidschan und Armenien seit Jahrzehnten. Ist die gefährliche Dynamik noch zu stoppen?

Aserbaidschan und Armenien stehen seit letztem Sonntag wieder am Rande des Abgrunds. Trotz internationalen Mahnungen halten die heftigen Gefechte um die Kaukasusregion Berg-Karabach noch an. «Es gibt Dutzende tote Soldaten und Dutzende verletzte. Es gibt Dutzende tote und verletzte Zivilisten», erklärte in der Nacht auf Dienstag Arayik Harutunyan, der Präsident der de facto-Republik Berg-Karabach. Die Zahl der Todesopfer auf armenischer Seite soll inzwischen auf 58 gestiegen sein. Mindestens 100 weitere Personen, darunter viele Zivilisten, wurden verletzt. Unbekannt ist, wie viele Opfer die aserbaidschanische Seite zu beklagen hat.

Seit Ausbruch der Gefechte bezichtigen sich beide Konfliktparteien gegenseitig der «Provokation»: Friedliche Orte, inklusive die Hauptstadt von Berg-Karabach Stepanakert, würden mit Granaten beschossen, teilte am frühen Sonntagvormittag eine Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums mit. Und: Die «gesamte Verantwortung dafür trägt allein die militärpolitische Führung Aserbaidschans». Gleich danach hat der armenische Präsident Nikol Paschinjan für Armenien und die Region Berg-Karabach den Kriegszustand ausgerufen und die Generalmobilmachung verordnet. «Wir stehen vor einem allumfassenden Krieg im Südkaukasus», sagte er in seiner Rede an die Nation. Dieser Krieg könnte für die gesamte Region des Südkaukasus und möglicherweise auch darüber hinaus «unabsehbare Folgen haben».

Ein Konflikt aus alten Tagen

Von einer «Provokation Armeniens» sprach hingegen Aserbaidschan. Sein Land habe erst auf diese Provokation mit einem Gegenangriff auf armenische Stellungen reagiert, sagte der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew in seiner Rede an die Nation. Er beteuerte, «unsere Soldaten sind als erste gefallen» und beschwor seine Bevölkerung: «Die Armee Aserbaidschans verteidigt heute die territoriale Integrität unseres Landes. Armenien ist eine Besatzungsmacht. Diese Besatzung muss enden und sie wird enden». Und: «Unsere Sache ist gerecht und deshalb werden wir siegen. Berg-Karabach ist Aserbaidschan.»

Worum geht es also? Die Historiker dies- und jenseits der gemeinsamen Grenze führen den Konflikt um dieses relativ kleine, zwischen Aserbaidschan und Armenien gelegene Territorium mit der faszinierenden Berglandschaft, den dichten Wäldern und dem Wasserreichtum auf die 1920er Jahre zurück. Obwohl die überwältigende Mehrheit seiner Bewohner seit alters her Armenier waren, schlug Josef Stalin, damals Kommissar für die Nationalitätenfrage der jungen Sowjetunion, ihr Gebiet der Sowjetrepublik Aserbaidschan zu. Die Bergbauern von Karabach stehen aber auch heute im Ruf, besonders hartnäckig,

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