In Texas ist ein Sack Mais umgefallen – We’re all living in Amerika!

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29-09-20 07:19:00,

Wer sich vorwiegend über Medien wie den SPIEGEL informiert, könnte glatt auf die Idee kommen, Deutschland sei der 51. Staat der USA. Alleine an diesem Wochenende wurde der Leser dort mit gleich elf Artikeln zur Neubesetzung eines Richteramts am obersten US-Gerichtshof bombardiert. Während der aufmerksame Leser mittlerweile wohl fast alle Mitarbeiter von Donald Trump namentlich aufzählen kann, wissen sicher nur die allerwenigsten, wer der Regierungschef von Frankreich und Russland ist oder wie der Ministerpräsident von Brandenburg oder der Oberbürgermeister von Bremen heißt – von den notwendigen Hintergründen, um Vorgänge auch bewerten zu können, ganz zu schweigen. Die Methode hat System – solange wir uns als „kleine Amerikaner“ fühlen, fällt es uns schwer, uns von diesem Land loszusagen. „We’re all living in Amerika, Amerika ist wunderbar“, wie es die deutsche Band Rammstein ironisch textete. Von Jens Berger.

Hand auf ´s Herz – wissen Sie, wer in Deutschland die Richter des Bundesverfassungsgerichts nominiert, wer sie bestimmt und welche Funktion diese Institution überhaupt hat? Wenn nicht, können Sie sich trösten. Dafür sind Sie als aufmerksamer Leser des SPIEGEL sicher mittlerweile so gut über alle Haupt- und Nebenaspekte des US Supreme Courts informiert, dass es für eine Facharbeit im Studienfach „American Studies“ reichen könnte. Über die verstorbene Bundesrichterin Ruth Bader Ginsburg findet man im SPIEGEL ganze 102 Artikel inkl. Nachruf – mehr als doppelt so viel wie über den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth. Wer zur Personalie Harbarth jedoch etwas Kritisches lesen will, sollte ohnehin lieber bei den NachDenkSeiten vorbeischauen.

Ob es in Ländern wie Frankreich, Österreich, Russland oder Polen überhaupt so etwas wie einen obersten Gerichtshof gibt und welche politische Funktion er hat, ist dabei schon Expertenwissen – darüber berichtet man nicht. Warum auch? Die Musik kommt aus Washington. Während man der Personalbesetzung des Supreme Court ja noch – wenn auch ganz sicher nicht in diesem Umfang – einen gewissen Nachrichtenwert für das Auslandsressort zusprechen mag, gilt dies für den Großteil der Berichte aus den USA keinesfalls. Alleine in den letzten drei Wochen überschlug sich der SPIEGEL wieder einmal mit US-Nachrichten, die beim besten Willen keinen Nachrichtenwert haben.

So konnte der geneigte SPIEGEL-Leser am 7. September eine ausführliche Reportage über den Immobilienmarkt und den Trend, in die Vorstädte zu ziehen, lesen – freilich nicht aus Deutschland,

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