Fluchtpunkt Schulklo

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30-09-20 06:32:00,

An „der Maske“ scheiden sich die Geister, die Spaltung der Gesellschaft verlief niemals so tief wie heute entlang der Entscheidung, eine Maske zu tragen oder eben nicht. Besonders für Kinder und Jugendliche hat Corona seit Frühjahr einschneidende Veränderungen mit sich gebracht, wie Moritz und seine Eltern Lina und Steffen im Interview berichten.

Andrea Drescher: Wie habt ihr die erste Phase der Corona-Pandemie erlebt?

Moritz: Wir hatten Schule zuhause. Das bedeutete, am Computer zu sitzen und jede Stunde nachzuschauen, ob neue Aufgaben geschickt worden waren. Jeder Lehrer hat das irgendwie anders gemacht. Von einem kamen täglich Aufgaben, andere hatten Wochenpläne und von manchen erhielten wir die Aufgaben per E-Mail irgendwann. Es gab Mails, die Schul-Cloud und den Messenger — irgendwie ein großes Chaos.

Lina: Man merkte, dass niemand wirklich auf Home Schooling vorbereitet war, weder die Schulen noch die einzelnen Lehrer. Ich habe gemeinsam mit Moritz immer überprüft, was zu tun ist, und habe ihm geholfen, wenn er nicht weiterkam. Aber es war auch für mich schwierig, den Überblick zu bewahren, was er alles tun sollte.

Gab es Unterstützung seitens der Lehrer?

Moritz: Nein. Die Aufgaben kamen mit den Lösungen. Wenn ich Fragen an die Lehrer geschickt habe, weil ich mit einer Aufgabe nicht zurecht kam, wurden die meist sehr spät beziehungsweise gar nicht beantwortet. Es gab auch viele technische Probleme. Der Messenger hat bei mir irgendwann nicht mehr funktioniert, die Cloud brach auch immer wieder zusammen — es waren einfach zu viele gleichzeitig online. Und die Lehrer wussten wohl auch nicht, wie sie das alles bewältigen sollten.

Hat euch das als Familie belastet?

Steffen: Wir hatten Glück. Moritz ging anfangs noch zum Rudern, sodass er ein wenig Ausgleich hatte. Lina arbeitet sowieso von zuhause, und für mich bedeutete es auch keinen großen Unterschied, ob mein Computer zuhause oder im Büro steht. Wir haben uns vor Corona immer wieder gezofft und zoffen uns jetzt immer wieder. Aber wir kommen als Familie gut miteinander klar, anstrengender als sonst war es jedoch definitiv.

Moritz: Ich konnte es ganz gut zuhause aushalten, bei uns gab es keine gröberen Probleme. Aber von anderen aus meiner Schule weiß ich, dass die ganz schön heftige Krisen hatten. Da habe ich Glück gehabt. Wir waren aber alle froh, dass ich nach Pfingsten dann wieder jede zweite Woche in die Schule gehen durfte.

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