kontertext: Hass ist kein Menschenrecht

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30-09-20 08:30:00,

Ariane Tanner

Ariane Tanner / 30. Sep 2020 –

Berichte über «Coronademonstrationen» laufen Gefahr, antidemokratische, antisemitische und rechtsextreme Tendenzen zu legitimieren.

Wie viele andere bin auch ich voll gegen Corona. Ich kritisiere diese Krankheit aufs Schärfste, weil sie heimtückisch und mitunter sogar tödlich ist. In diesem Sinne bin ich massive Coronagegnerin, weshalb ich auch gar nichts gegen den Versuch habe, COVID-19 mit geeigneten Massnahmen einzudämmen, vor allem wenn diese so billig zu haben sind wie beispielsweise mit Maskentragen und Abstandhalten. Menschen, die jetzt als «Coronakritiker» an «Coronademonstrationen» gehen, haben also schon einmal den falschen Namen beziehungsweise den falschen Adressaten. Ruedi Widmer hat dies in einem Cartoon in der WOZ vom 3. September 2020 auf den Punkt gebracht: «Die Pest im Mittelalter hätte es nicht gegeben, wäre genug dagegen demonstriert worden.»

Es ist aber nicht nur Name und Adressat dieser Kundgebungen schief, sondern auch die Fragestellung, die gewisse Medien an das Protestphänomen herantragen. Der Tages-Anzeiger vom 10. September 2020 wollte wissen: «Entsteht hier eine neue politische Kraft?» Die Online-Ausgabe desselben Artikels doppelte nach: «Eine Schweizer Querfront?» Was «Querfront» meint, wird nicht erklärt, lediglich auf Deutschland verwiesen, wo diese «extrem vernetzt in den sozialen Medien» sei. Unerläutert bleibt die Geschichte des Begriffs und der damit gemeinten Personen. Eine erste «Querfront» gab es bereits in der Weimarer Republik. Seither taucht sie immer da wieder auf, wo sich linke und rechte Gruppierungen und Parteien in Antidemokratie, Nationalismus und Antisemitismus sowie Rassismus treffen. Adäquater wäre demnach zu fragen: Wie kann man verhindern, dass hier eine politische Kraft entsteht? Denn aus einem Mix aus Rechtsextremismus, Neonazis, Verschwörungstheoretikerinnen, ein paar Impfgegnern und Esoterikerinnen, ein bisschen Antisemitismus und wahlweise etwas Homophobie ist keine demokratische Politik zu machen.

Offen für ideologische Übernahmen

Auf diese Personenmischung spielte wohl auch der im oben genannten Tages-Anzeiger-Artikel indirekt zitierte «Internetaktivist und Kampagnenexperte Daniel Graf» an, der gesagt habe, «es werde spannend zu beobachten sein, ob dieser bunte Haufen von Corona-Kritikern von irgendwem aufgesogen werde – oder ob eine eigene Bewegung entstehe.» Dieser so genannte «bunte Haufen», und das ist schon lange bekannt, ist in seinen eigenen Reihen gut organisiert. Mit der Studie von 2015 des Publizisten Wolfgang Storz kann man nachvollziehen, wie diese «Gegen-Öffentlichkeit» bereits vor 10 Jahren als ein «politisch-publizistisches Netzwerk» aktiv wurde,

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