Fall Navalny: Zerstört die deutsche Regierung endgültig die Beziehungen zu Russland? | Anti-Spiegel

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01-10-20 06:06:00,

Der Spiegel macht nächste Woche als Titelgeschichte mit einem Interview mit Alexej Navalny auf. Die politischen Reaktionen auf das Interview könnten der letzte Tropfen sein, der das Fass der russischen Geduld zum Überlaufen bringt.

Russland zeigt seit fünf Jahren eine Geduld, die politische Beobachter – und sogar US-Think-Tanks – überrascht. Beleidigungen westlicher Spitzenpolitiker gegen Putin, die sich umgekehrt kein westlicher Staatschef gefallen lassen würde, anti-russische Sanktionen, die Ausweisung von Diplomaten, militärische Provokationen der Nato an Russlands Grenzen – all das hat Russland bisher stoisch ertragen und immer nur zur Besonnenheit aufgerufen.

Der Umgang Deutschlands mit dem Fall Navalny könnte das ändern. Es scheint, dass nun auch in Moskau die Geduld zu Ende geht. Bisher hat Moskau zwar die USA regelmäßig scharf kritisiert, sich aber mit Kritik gegenüber den Europäern zurückgehalten. Man versteht in Moskau, dass vieles von dem, was EU-Staaten tun, auf US-Druck geschieht. Bisher wollte Russland die EU-Staaten nicht verärgern und hat keine allzu deutliche Kritik an europäischen Staaten geäußert.

Der Grund dafür, dass sich das nun zu ändern scheint, liegt zum Einen an der Rede von Bundesaußenkasper Heiko Maas vor der UNO, in der er Russland heftig angegriffen hat, aber auch am Spiegel. Der Spiegel wird nächste Woche ein Interview mit Navalny als Titelstory haben und als der Spiegel das heute angekündigt, hat er etwas einmaliges getan: Auf der (deutschen) Seite des Spiegel wurde nicht nur die Titelstory der nächsten Woche beworben, sondern auch ein wortgleicher Artikel auf Englisch und auf Russisch veröffentlicht, der das Interview zusammenfasst. Das ist das erste Mal, dass der Spiegel etwas auf seiner Homepage auf Russisch veröffentlicht.

Navalny beschudligt darin Putin persönlich, ihn vergiftet zu haben, eine andere Erklärung habe er nicht. Außerdem dankt er den deutschen Ärzten, die ihm das Leben gerettet hätten. Dass es in Wahrheit die russischen Ärzte in Omsk waren, die ihm das Leben gerettet und ihn so weit stabilisiert haben, dass er ausgeflogen werden konnte, erwähnt er anscheinend wieder nicht.

Wie nicht anders zu erwarten, macht eine Spiegel-Titelgeschichte eine Menge politische Wellen und viele Politiker nehmen das Navalny-Interview nun zum Anlass, erneut weitere Sanktionen gegen Russland zu fordern und Nord Stream 2 zu beerdigen.

Die vollkommen unbelegten Vorwürfe aus Berlin gegen die russische Regierung scheinen das politische Moskau zu erschüttern.

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